Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke. Sie kommen mit jahrelanger Verantwortung, sind mit Lebenshaltungskosten verbunden und machen mehr oder weniger Mühe. Dennoch sitzen alle Jahre wieder verängstigte, verwirrte und unglückliche Haustiere unterm Weihnachtsbaum, um einem Menschen eine Freude zu bereiten.

Im besten Fall war das Tier gewollt und stand auf dem Wunschzettel. Dann stehen die Chancen auf ein artgerechtes Leben als das geliebte Haustier eines Zweibeiners 50:50. Im schlimmsten Fall war der Hund mit der roten Schleife um den Hals die Schnapsidee des Partners oder von Freunden, was die Chancen des Tieres drastisch sinken lässt.

Dan hat einen Vogel? Denkste!

Ich war elf Jahre alt, als ich das erste Mal Haustiere haben wollte. Meine Großeltern hatten eine große Voliere mit etlichen Wellensittichen und ich war von dem lebhaften Treiben der fröhlichen Gesellen fasziniert. Also wünschte ich mir zu Weihnachten einen Wellensittich.

Ich erkannte die Umrisse des kleinen Käfigs bereits unter Mamas schickem Tuch, mit dem er abgedeckt war. Freudig erregt riss ich den Lappen vom Gitter, was den Käfig in seinen Grundfesten erschütterte und fast vom Hocker gehauen hat. Und ich staunte nicht schlecht über das, was sich da mit Mühe und Not gerade noch auf der Stange halten konnte: ein Buch über die Haltung von Wellensittichen. Das war’s. Nicht ein Pieps, nicht eine Feder, nix. Dan hat einen Vogel? Denkste.

Gewissenhafte Vorbereitung

Was ich hatte, war ein Gutschein. Für Wellensittiche. Einlösbar in sechs Monaten. War ich damals enttäuscht? Ja, war ich, und zwar auf monumentaler Ebene. Bin ich heute davon überzeugt, dass es ein guter Weg ist, um herauszufinden, ob ein Kind wirklich ein Tier haben möchte und versteht, welche Verantwortung damit verbunden ist? Absolut!

Nicht nur hat es meinen Eltern gezeigt, dass ich auch sechs Monate später immer noch Feuer und Flamme und der Wunsch nach Vögeln mehr als nur ein Hirngespinst war. Es hat mich auch darauf vorbereitet, was da eigentlich auf mich zukommt: Verantwortung, Kosten und Zeitaufwand über viele Jahre hinweg.

Vom Rückgaberecht ausgeschlossen

Nicht nur für Kinder, auch für Erwachsene sind Tiere als Weihnachtsgeschenk eine schlechte Idee, vor allem dann, wenn sie nicht wirklich gewollt waren. Wer ein Lebewesen für einen Menschen anschafft, ohne das vorher mit diesem besprochen zu haben, handelt mehr als unverantwortlich. In vielen Fällen wandert das Tier ohne Umwege ins nächste Tierheim oder wird irgendwo ausgesetzt oder – der neueste Trend – auf irgendeiner Plattform im Internet zum Kauf angeboten. Man darf nicht vergessen, dass lebende Tiere normalerweise vom Umtausch beziehungsweise von der Rückgabe ausgeschlossen sind und für viele Jahre oder Jahrzehnte leben.

Nach Weihnachten wird es ruhiger

Wenn es trotz allem ein Haustier sein soll, dann geht man am besten nach den Feiertagen ins Tierheim, zum Züchter oder in die Zoohandlung. Nicht nur haben die Mitarbeiter mehr Zeit, dich zu beraten, du hast auch mehr Zeit, dich zu entscheiden. Im günstigsten Fall finden sich der künftige Halter und das Tier und zwar ganz ohne Mithilfe von außen. Diese Beziehungen halten meistens ein (Tier-)Leben lang und stehen unter einem deutlich günstigeren Stern als die, die als totale Überraschung unter dem Weihnachtsbaum begonnen haben.

Zeit sinnvoll nutzen

Die Zeit bis zur eigentlichen Anschaffung des Tieres kann sinnvoll überbrückt werden, indem du dir so viel Wissen wie möglich aneignest und den Einzug deines neuen Schützlings so gut wie möglich vorbereitest.

Käfige, Kratzbäume oder Bettchen braucht man beispielsweise nicht zu kaufen, die kann man mit ein wenig Werkzeug und Talent auch selber machen und den Bedürfnissen des Tieres besser anpassen.

Du planst, dir einen Hundewelpen oder ein Nagetier ins Haus zu holen? Dann solltest du vor allem in Hinsicht auf Kabel jeden Raum gewissenhaft vorbereiten, zu dem das Tier Zutritt hat. Dein Meerschweinchen wäre nicht das erste, das herzhaft in eine Stromleitung beißt und auch Welpenzähne sind dafür bekannt, ein Kabel mühelos zu perforieren.

Wenn du dir insgeheim einen Hund wünscht, dir aber nicht wirklich sicher bist, was auf dich zukommt, welche Rasse die richtige für dich wäre und ob du im Augenblick überhaupt ein guter (geeigneter) Hundehalter wärst, kann dir dieser Artikel dabei helfen, Antworten zu finden.

Tierheime machen dicht

Viele deutsche Tierheime vermitteln in den Tagen vor und nach Weihnachten keine Tiere mehr. Das Tierheim Hannover beispielsweise hat zwischen Mitte Dezember und Anfang Januar einen Adoptionsstopp verhängt. Damit soll zum einen verhindert werden, dass die Tiere buchstäblich unterm Weihnachtsbaum liegen. Zum anderen verbleiben die Tiere dann über Silvester mit all der Knallerei, der Hektik und dem Trubel in einer Umgebung, an die sie sich wenigstens halbwegs gewöhnt haben.

Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke – Bulldoggen-Welpe mit Weihnachtsmütze
Echte Tierfreunde verschenken keine Tiere und möchten auch keine Tiere geschenkt bekommen. Tiere sind einfach keine Weihnachtsgeschenke und haben unterm Baum nichts zu suchen.

Fazit

Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke. Sie gehören auf keine Wunschliste und unter keinen Baum. Die Anschaffung eines Tieres sollte so emotionslos wie möglich angegangen werden, damit Frustration am Ende nicht die einzig verbleibende Emotion ist.

Wer beispielsweise eine Schildkröte oder einen Papagei verschenkt, übergibt gleichzeitig eine jahrzehntelange Verantwortung an den neuen Halter, der darauf unter Umständen so gar keinen Bock hat.

Wer seinem Kind ein Tier schenken möchte, sollte sich vorher im Klaren darüber sein, dass der Schuss nach hinten losgehen kann und das Tier nach wenigen Wochen oder Monaten in die Obhut der Eltern fällt. Wenn du das nicht möchtest, schenk deinem Kind kein Tier, sondern starte das Abenteuer „Verantwortung übernehmen“ vielleicht besser mit einer Pflanze.

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