Meine Meinung zu planlosen Hundebesitzern

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Mich bringen nicht mehr viele Dinge auf die Palme. Vor allem, wenn es um Hunde geht, bin ich dafür bekannt, die Ruhe weg zu haben. Es waren auch nicht wirklich die Hunde, die mich gerade eben auf meinem Mittagsspaziergang mit einem meiner „Patienten“ mal so richtig auf 180 gebracht haben. Es war – mal wieder – ein planloser Hundebesitzer. Zeit für eine verbale Abrechnung mit „Hundeführern“, die weder von Hunden noch vom Führen auch nur die leiseste Ahnung haben.


Die Ruhestörung vor dem Sturm

Ich wusste, dass es Benno gibt, noch bevor ich ihn sah. „Benno, nein. Benno, pfui. Pfuuui. Nein! Aus, Benno! BEN-NO?!“ – „Benno, komm hier. Hieeeeer, Benno. Benno, ich fahr ohne dich nach Hause. Guck? Die Mama geht jetzt. Sie ist jetzt weg, die Mama“, schallte es durch den Wald. Zwar hatte ich noch kein Bild von Benno, dafür standen noch zu viele Bäume zwischen ihm, mir und Sushi, einer zweijährigen Boxerhündin mit schwächelnder Sozialkompetenz. Aber ich hatte eine ziemlich klare Vorstellung von dem, was mich gleich hinter der nächsten Kurve erwarten würde.

Da ich keine Lust hatte, die Überreste eines dreipfündigen Fellknäuels aus den Zähnen der, nun, nennen wir es charakterstarken Boxerhündin zu pulen, mit der ich seit einigen Wochen arbeite, nahm ich als verantwortungsbewusster Hundehalter meinen verhaltensgestörten Stubenwolf an die Leine.

Auf Kollisionskurs

Und dann kam Benno um die Kurve geschossen, noch gute 400 Meter weit weg. Ein bisschen mehr als drei Pfund und mit dem Temperament eines pubertierenden Jack Russell Terrier auf Crack. Und so verhielt er sich auch: Seine Stummelbeinchen bildeten unterhalb der Ellbogen und Knie rotierende Scheiben, die den Boden nur noch zur Richtungsänderung berührten. Aber was sage ich da – Richtungsänderung. Benno war kein Freund von Umschweifen und steuerte auf Kollisionskurs. Benno war auch kein Freund von nonverbaler Kommunikation. Das war schon kein Bellen mehr, das war ein hysterisches Kreischen.

Sushi drückte sich derweil ihre Zigarre auf der Stirn aus und krempelte sich die Ärmel ihrer Lederjacke hoch. Das war so ganz nach ihrem Geschmack.

Vergangenheitsbewältigung

Aufgrund ihrer Vergangenheit hat Sushi ein Problem mit anderen Hunden. Die Boxerhündin ist nicht aggressiv per se, sondern handelt aus Angst heraus. Für sie gibt es im Augenblick nur zwei mögliche Verhaltensweisen: abhauen oder zuhauen. Dabei spielt es keine Rolle, wie weit der andere Hund weg ist. Sobald sie auch nur einen Artgenossen riecht, reagiert sie.

Seit einigen Wochen arbeiten wir an einem dritten Ansatz: dem Ignorieren von anderen Hunden. Das klappt auch schon ganz gut, solange der andere Hund sich nicht nähert oder ruhig an der Leine neben seinem Menschen läuft.


Spaziergang mit mehreren Hunden
Wenn ich meine Hunde anleine, dient das entweder ihrer eigenen Sicherheit oder der von anderen. Bitte halte deinen Hund in solchen Situationen auf Abstand. Ich habe schon genug mit meinen zu tun 🙂

Cruise Missile auf vier Beinen

Benno war aber nicht an der Leine. Oder ruhig. Oder auch nur in der Nähe seines Menschen. Benno hielt immer noch stur auf uns zu und ich musste etwas tun, um die körperliche Unversehrtheit dieser Promenadenmischung sicherzustellen.

Selbstsicher wie immer – ist ja schließlich nicht mein erstes Rodeo – machte ich also einen Schritt auf Benno zu, streckte meinen Arm und die Hand zum Stoppzeichen aus und begrüßte ihn mit einem scharfen „hey“. Was bei 75 Prozent aller Hunde auf der ganzen Welt eine Wirkung zeigt, ließ Benno aber völlig kalt.

Er baute sich zwei Meter vor uns auf, kläffte wie ein Geistesgestörter und hüpfte dabei auf und ab wie ein Flummi. Jeden Schritt, den ich auf ihn zutat, jedes Schnipsen mit dem Finger und jedes gezischte „tscht“quittierte er mit einem Scheinangriff auf meine Hosenbeine. Dass die Cruise Missile, die jedes Mal zwischen meinen Beinen hervorschoss, ihr Ziel nie erreicht hat, war einzig und allein der Leine und der Kraft in meinem Linken Arm zu verdanken, die langsam aber sicher schwand.

Die Verteidigung steht

Als Bennos Mensch dann endlich auf der Bildfläche erschien – immer noch gute 300 Meter weit weg, aber wenigstens in Sicht- und Rufweite –, versicherte sie mir mit fröhlicher Stimme, dass doch alles in Ordnung sei und ich keine Angst vor ihrem Hund zu haben bräuchte. Er meine das nicht ernst und das sei alles nur Show. Ach, was?!

Ich holte derweil meinen Schlüsselbund aus der Tasche, an dem zwar keine Schlüssel, dafür aber 25 mittelgroße Unterlegscheiben befestigt sind. Ein langes Schlüsselband sorgt für eine stabile Flugbahn.

Ich hegte allerdings immer noch die Hoffnung, dass meine linke Schulter noch so lange durchhalten würde, bis die Dame zu ihrem Hund aufgeschlossen und ihn an die Leine genommen hat. Aber sie schloss nicht auf. Vielmehr stoppte sie, immer noch knappe 200 Meter entfernt, ging in die Hocke und fing an, den Namen ihres Hundes zu säuseln. Ich bin mir nicht mal sicher, ob Benno sie überhaupt gehört hat.

Benno trifft auf seinen Meister

Mir reichte es. Mit einem leisen Zischen verließ mein Schlüsselbund meine Hand und schlug Sekunden später in ihrem Ziel ein – dem Hundepopo. Benno hatte natürlich nicht damit gerechnet und reagierte verdutzt. Er drehte sich zwei-, dreimal um die eigene Achse und versuchte herauszufinden, was ihn da gezwickt hatte.

Diesen Moment der Verunsicherung machte ich mir zunutze, ging einige Schritte auf ihn zu, schnipste mit dem Finger und bewegte ihn mit einem scharfen „tscht“ zum Rückzug. Sobald ich meinen Schlüsselbund wiederhatte, war die Schlacht für Benno verloren.

Fortan reichte das Geräusch der klirrenden Unterlegscheiben, um ihn auf Abstand zu halten und ihn zurück zu seinem Menschen zu steuern, der nebenbei gesagt keine Anstalten machte, aktiv ins Geschehen einzugreifen. Sehr wohl übernahm sie dann aber die Rolle des Schiedsrichters und unterstellte mir foul play sowie den Einsatz unerlaubter Hilfsmittel. Ja, nee. Is klaaa.

Freilaufende Hunde? Ja, bitte!

Ich habe überhaupt kein Problem mit freilaufenden Hunden – im Gegenteil. Hunde wurden ohne Halsband und Leine geboren und dürfen bei mir den größten Teil ihres Lebens auch ohne Halsband und Leine verbringen. Dazu gehören dann auch Begegnungen mit anderen Hunden. Dass es dabei auch mal zu Knatsch kommen kann, ist selbstverständlich und unter normalen (!) Hundebesitzern auch kein Problem.

Was aber gar nicht geht, sind Hund-zu-Hund-Kontakte, wenn auch nur einer der Vierbeiner an der Leine ist. Dann gelten einfach andere Regeln. Es gibt viele Gründe, warum ich meinen Hund an der Leine führen muss:

  • Verletzung
  • Krankheit
  • Angst
  • Aggression
  • Läufigkeit
  • Es ist gar nicht mein Hund und ich führe ihn nur spazieren

Was ich dann aber gar nicht brauche, sind Hundehalter, die meinen, dass es für ihren Hund ein Grundrecht auf Sozialkontakt mit Artgenossen gibt und nicht mal versuchen, ihren Hund zurückzurufen – im Gegenteil. „Ooooch guuuck doch mal, Lilly, ein Freeeund. Geh hallo sagen und spielen!“

Was ich noch weniger brauche, sind Hundehalter, die mich dann anfahren, wenn ich ihren Hund davor bewahre, auf Handtaschengröße portioniert zu werden. 25 mittelgroße Unterlegscheiben, die einem zehn Kilogramm schweren Hund auf den Hintern klatschen, sind kein Vergleich zu den 42 Zähnen eines Caniden, die er vor allem zum Zerreißen von Dingen nutzt.

Auch ein gebrülltes „Hey“, das jedem handelsüblichen spitzgedackelten Schäferdiener die Ohren nach hinten weht, hinterlässt bei deinem Fiffi keinen bleibenden Schaden. Der 50 Kilogramm schwere Rottweiler an meiner Seite allerdings würde deinen Chihuahua liebend gerne unter sich begraben, dauerhafte Wirbelsäulenschäden und Querschnittslähmung eingeschlossen. Aber ist ja nicht so schlimm. Er wollte ja nur spielen. Ist halt noch jung.

So geht’s

Es ist doch eigentlich gar nicht so schwer. Hunde, die sich ohne Leine begegnen, sollten sich auch begrüßen dürfen. Wenn das von deiner Seite aus aus irgendeinem Grund nicht möglich ist, leine deinen Hund frühzeitig an und bleib am besten so lange stehen, bis der andere Hundeführer dich wahrgenommen und gesehen hat, dass du deinen Hund angeleint hast. So gibst du ihm eine Chance, seinen Hund oder seine Hunde ruhig, aber bestimmt unter Kontrolle zu bringen, ohne in Hektik verfallen zu müssen.

Wenn du siehst, dass dir ein angeleinter Hund entgegenkommt, nimm deinen Hund bitte ebenfalls an die Leine. Es wird sich auf die soziale Entwicklung deines Vierbeiners in keinster Weise auswirken, stärkt deine Position als Chef (Du stellst die Regeln auf und setzt sie durch) und garantiert einen Spaziergang ohne Zwischenfälle für alle Beteiligten.

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