Ein Impfstoff gegen Katzenallergie – was Generationen von Wissenschaftlern bislang Kopfzerbrechen bereitet hat, ist Schweizer Forschern nun offenbar gelungen. Schon in drei Jahren soll das Präparat auf den Markt kommen und Katzenallergiker im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen lassen. Angst vor der Spritze braucht dabei aber nur der Stubentiger zu haben.


Juckende Augen, laufende Nase, kribbelnde Haut – Menschen mit einer Katzenallergie sind auf Katzen nicht gut zu sprechen. Seit rund 10.000 Jahren bilden Katzen und Menschen nun eine Partnerschaft, doch zehn Prozent der Zweibeiner reagieren allergisch auf die Stubentiger. Das äußert sich ganz unterschiedlich und kann von tränenden Augen über juckenden Hautausschlag bin hin zu lebensbedrohlichem Asthma reichen.

Katzenallergie – was ist das?

Im Grunde genommen ist sowohl der Begriff Katzenallergie als auch die ebenso geläufige Alternative Katzenhaarallergie ein wenig irreführend. Denn weder ist ein Katzenallergiker allergisch gegen alle Katzen, noch sind es die Haare der Katze, die Allergikern Probleme bereiten. Es ist vielmehr ein Protein, das sich in den Körperflüssigkeiten von manchen Katzen befindet, hauptsächlich im Speichel. Daher könnten selbst haarlose Katzen eine allergische Reaktion auslösen.

Fel d 1 – klein, leicht und klebrig

Beim täglichen Lecken und Putzen verteilt die Katze ihren Speichel auf dem gesamten Fell und „kontaminiert“ es sozusagen mit dem Protein „Fel d 1„, wie Wissenschaftler das Eiweiß benannt haben. Die größten Mengen befinden sich meistens im Gesicht der Tiere.

Das Problem mit Fel d 1 ist, dass das Protein sehr klein, leicht und klebrig ist. Es kann sich an Staubpartikel binden und so schwebend seine Reise antreten – unter Umständen tausende von Kilometern weit. Das Allergen setzt sich unter anderem in der Kleidung von Menschen fest. So findet man es an Orten, an denen man in der Regel keine Katzen vermutet: im Flugzeug beispielsweise, in der Schule oder – und ich denke mir diese Sachen nicht aus! – im Inlandeis von Grönland.

So kommen auch leider Menschen mit dem Katzenallergen in Berührung, die aus verständlichen Gründen keine Katze haben.

Foto eines Besens und einer Schaufel voll mit Tierhaaren
Der Albtraum für Katzenallergiker. Das Protein Fel d 1 haftet den Haaren der Katze an und verteilt sich so weiträumig.

Mit Kortison um den heißen Brei herum

Die Medizin doktert im wahrsten Sinne des Wortes seit Jahrzehnten an dem Problem herum, ohne je wirklich eine Lösung gefunden zu haben. Ob als Cremes, Sprays oder Injektionen – Antihistaminika und Kortison sind in der Regel die Mittel der Wahl. Martin Bachmann, Immunologe von der Universität Bern, erkärt: „Mit Antihistaminika oder Kortison werden allerdings nur die Symptome behandelt, nicht aber die Krankheit selbst.“

Eine weitere Möglichkeit, der Lage auf Dauer Herr zu werden, ist die sogenannte Hyposensibilisierung. Über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren erhält der Betroffene Injektionen und wird so Schritt für Schritt an eine immer höhere standardisierte Konzentration des Allergens gewöhnt.

Schweizer Forscher von der Universität Zürich und einem extra gegründeten Tochterunternehmen haben vor Jahren einen anderen Weg eingeschlagen und jetzt einen Impfstoff gegen Katzenallergie entwickelt, der zum dauerhaften Frieden zwischen Stubentigern und Allergikern führen könnte.

Impfstoff gegen Katzenallergie

Doch es sind nicht etwa die Allergiker, die sich der Behandlung unterziehen müssten. Vielmehr wird versucht, bereits das Ausstoßen der Allergene in der Katze zu verhindern. Immunologe Bachmann erklärt: „Wir nehmen das Allergen und verwandeln es, so dass es wie ein Virus aussieht. Dann denkt das Immunsystem der Katze, dass es ein Virus ist und entwickelt entsprechend eine starke Immunantwort dagegen – vor allem Antikörper – eben auch gegen das Fel d 1“

Ein kurzer Piks unter die Haut

Die Katzen bekommen den Impfstoff unter die Haut gespritzt. Ähnlich wie die Grippeschutzimpfung beim Menschen bewirkt der Impfstoff, dass die Katze Antikörper gegen Fel d 1 bildet. Das Allergen bindet sich an diese Antikörper und kann den Körper der Katze gar nicht erst verlassen.

Foto einer Frau, die mit zwei Katzen auf einem Bett liegt
Langhaarkatzen verfügen seltener über das Protein Fel d 1 als Katzen mit kurzem Fell.

Erfolgreicher Test an 70 Katzen

Der Impfstoff gegen Katzenallergie wurde von einer Forschungsgruppe der Universität Zürich an 70 Katzen getestet. Nach Aussagen der Wissenschaftler sei das Mittel verträglich und sicher. Außerdem halte die Impfung eine Weile an, was die Häufigkeit der Injektionen in einem verträglichen Maß halte.

Martin Bachmann zufolge führe die Impfung der Katzen zu einer Win-Win-Situation für Katz‘ und Mensch. Nicht nur würden die allergischen Reaktionen und die Symptome beim Menschen deutlich reduziert. Darüber hinaus würde die immunisierte Katze wieder häufiger gestreichelt und liebkost werden. „Also ist es gut für die Katze und den Menschen“, sagt Bachmann.

Studie findet keine Probleme

Bei all den positiven Aussichten und all der Euphorie der Wissenschaftler muss allerdings eine Frage gestattet sein: Braucht eine Katze das Protein Fel d 1 nicht für wichtige Funktionen im Körper? Schließlich irrt sich die Natur nur selten und hat das Protein nicht aus Versehen im Katzenkörper geparkt.

Dazu der Immunologe: „Man weiß nicht, was dieses Allergen in der Katze macht. Wir haben eine spezielle Studie gemacht, um zu sehen, ob die Katzen irgendwelche Probleme haben, wenn man sie immunisiert. Bis jetzt haben wir nichts gefunden.“

Mir persönlich machen es sich die Forscher an diesem Punkt ein wenig zu einfach. Wenn ich nicht weiß, wofür ein bestimmter Baustein verantwortlich ist, kann ich ihn nicht aus dem Bauwerk entfernen und auf das Beste hoffen.

Marktreif in drei Jahren

Der Grund für diese Unbesorgtheit dürfte in der angestrebten Monetarisierung des Endprodukts zu finden sein. Bereits in drei Jahren soll der Impfstoff gegen Katzenallergie auf den Markt kommen. Schon heute denkt man auch über einen Impfstoff für Hunde nach. „Die Entwicklung ist aber ungleich komplizierter“, dämpft Bachmann zu große Hoffnungen.

Fazit

Für die rund zehn Prozent der Bevölkerung, die mehr oder weniger stark unter den Symptomen der Katzenallergie oder Katzenhaarallergie leiden, ist die Impfung der Katzen sicherlich ein Segen. Wie sich die Immunisierung allerdings langfristig auf die Katzen auswirkt, kann kein Mensch sagen und die Wissenschaftler scheinen nicht den nötigen Ehrgeiz an den Tag zu legen, das vor der Marktreife des Produktes herauszufinden. Die Langzeitstudie wird also – wie so häufig – wieder einmal vom Verbraucher durchgeführt, der in diesem Fall unsere Katze ist.

Ob man die Impfung gegen Katzenallergie vornehmen lässt oder nicht, ist allerdings immer noch jedem selbst überlassen.

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