Zeckenmittel für Hunde gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Von Tabletten mit Langzeitwirkung über diverse Sprays und Halsbänder bis hin zu vermeintlichen Wundermitteln aus der Hausapotheke oder gar der heimischen Küche – Deutschlands Hundehalter werden wieder einmal nichts unversucht lassen, um so gut wie möglich zeckenfrei durch den Sommer 2020 zu kommen. In diesem Artikel geht es daher rund um Zeckenmittel für Hunde: Was gibt es? Was hilft? Und was hilft vor allem dem Hersteller?


Zeckenmittel für Hunde gehören ab sofort wieder zur Grundausstattung für Hundebesitzer. Die Zeckensaison 2020 hat begonnen, die sich in Deutschland von Ende Februar bis Anfang Oktober erstreckt. Wer in dieser Zeit keine konsequente Zeckenprävention betreibt und seinen Hund so gut wie möglich vor den Parasiten schützt, riskiert, dass sich sein Vierbeiner mit teilweise lebensbedrohlichen Krankheiten anstecken kann.

Dieser Ratgeber rund um Zeckenmittel für Hunde, der sich vor allem an neue, aber auch an erfahrene Hundebesitzer richtet, behandelt folgende Themen:

Der Artikel ist in enger Absprache mit unserer Tierärztin, Selene Corsini, entstanden, Fachärztin für Tierchirurgie und spezialisiert auf Dermatologie in Hunden. Die Ausführungen entsprechen dem Kenntnisstand der Veterinärmedizin im Jahr 2020.


Zecken – gefährliche Spinnentiere

Bevor wir uns näher dem Thema widmen, welches Zeckenmittel für Hunde unserer Ansicht nach das beste ist und wovon man als verantwortungsbewusster Hundehalter lieber die Finger lassen sollte, schauen wir uns aber erst einmal an, mit wem wir es eigentlich zu tun haben.

Zecken sind keine Insekten, sondern gehören zur Klasse der Spinnentiere (sie haben acht Beine und nicht wie Insekten nur sechs) und bilden die Unterklasse der Milben. Die größten Milbenarten der Welt sind Zecken. Was alle Zecken eint, ist der Bluthunger, den die Ektoparasiten an Wirbeltieren stillen, also auch an uns Menschen und unseren Hunden.

Weltweit sind Zecken nach Mücken am häufigsten verantwortlich für die Übertragung von Krankheiten, in Europa halten die gefährlichen Spinnentiere sogar den ersten Rang. Sie übertragen unter anderem Borreliose- und Frühsommer-Meningoenzephalitis- (FSME) Erreger auf Menschen und Tiere, zwei Krankheiten, die tödlich verlaufen können.

Weltweit mehr als 900 Zeckenarten

Weltweit gibt es mehr als 900 Arten von Zecken, von denen sich die meisten in die zwei Familien der Schild- und der Lederzecken aufteilen. Die Schildzecke, zu der unter anderem der bei uns am häufigsten verbreitete Gemeine Holzbock zählt, hat einen harten Schild. Während er bei den Männchen den gesamten Rücken bedeckt, sind die Weibchen nur zu einem Teil geschützt. Schildzecken findet man in allen Teilen der Erde mit Ausnahme der Arktis und der Antarkis.

Lederzecken haben keinen Schild, dafür aber eine lederartige Haut. Man findet diese Art vor allem in tropischen und subtropischen Regionen. Die einzige in Deutschland vorkommende Lederzecke ist die Taubenzecke, die allerdings Tauben als Wirt bevorzugt, selten andere Vögel. Auf Menschen oder Hunde haben es diese Zecken nicht abgesehen.

Bild von Zecken auf einem Hund
Zecken sind gefährliche Parasiten für deinen Hund. Mit einem Zeckenmittel für Hunde kannst du dafür sorgen, dass dein Hund so zeckenfrei wie möglich durch den Sommer 2020 geht.

Welchen biologischen Nutzen haben Zecken?

Ich bin garantiert nicht der erste Hundebesitzer, der sich gefragt hat, wofür Zecken eigentlich gut sind. Für uns sind sie entweder gefährlich oder im besten Fall zumindest hochgradig lästig. Für andere Lebewesen allerdings stellen Zecken einen wichtigen Bestandteil ihrer Nahrung dar oder helfen gar bei der Fortpflanzung. So legen bestimmte zeckenfressende Wespenarten (Ixodiphagus) ihre Eier in den Körpern von Nymphen, einer frühen Entwicklungsform der Zecke.

So sehr wir sie auch hassen mögen, Zecken erfüllen in der Natur also einen wichtigen Zweck.

Haben Zecken natürliche Feinde?

Allerdings hat auch der nervigste Parasit Feinde – so auch die Zecken. Wissenschaftler haben bislang folgende Organismen ausgemacht, die sich an den Spinnentieren gütlich tun:

  • einige Pilzarten, darunter Metarhizium anisopliae
  • sogenannte Nematoden, also Fadenwürmer, von denen sie befallen werden können
  • verschiedene Vogelarten, bei denen Zecken regelmäßig auf dem Speiseplan stehen
  • und parasitische Erzwespen wie Ixodiphagus hookeri

Als Zeckenmittel für Hunde taugen diese natürlichen Feinde nicht. Weder solltest du Pilze auf deinem Vierbeiner kultivieren, noch die regelmäßige Wurmkur ausfallen lassen, und nur die wenigsten Hunde werden einen Vogel akzeptieren, der auf ihnen herumhüpft und nach Zecken im Fell sucht.

Welche Zecken gibt es in Deutschland?

Um das ganze ein wenig konkreter zu machen, verlassen wir jetzt die weltweite Bühne und schauen uns mal in der Heimat um. In Deutschland findet man 15 verschiedene Zeckenarten – wenn man ordentlich sucht. Die meisten dieser Arten kommen sehr selten vor, andere haben weder mit Menschen- noch mit Hundeblut wirklich was am Hut. Relativ häufig trifft man in unseren Breitengraden vor allem auf folgende Arten. Die Reihenfolge entspricht der Häufigkeit und der Gefährlichkeit der jeweiligen Art für unsere Hunde:

Gemeiner Holzbock

Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist die in Deutschland am häufigsten vorkommende Zeckenart. Lediglich in Gebirgslagen über 1500 Meter trifft man sie nicht an.

Der Holzbock ist in Deutschland auch die Zeckenart, die es am häufigsten auf den Menschen und seine Hunde abgesehen hat. Er überträgt unter anderem Borrelien und FSME-Viren auf Zwei- und Vierbeiner.

In unseren Breitengraden ist der Holzbock in der Regel von März bis Oktober, in günstigen Jahren sogar bis November aktiv. Zur Aktivierung reichen ihm bereits mehrere aufeinanderfolgende Tage mit mehr als sieben Grad Celsius, was unter Umständen sogar im Winter passieren kann.

Zu den typischen Lebensräumen des Gemeinen Holzbocks zählen Wälder und Waldränder, Stadtparks und Gärten. Dort wartet er auf seine Lieblingswirte: Kleine Säugetiere, Vögel, Eidechsen, Igel, Hasen, Rehe, Hunde, Katzen oder Menschen.

Auwaldzecke

Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) gehört zu den Buntzecken und ist erst seit Ende der 1990er Jahre in Deutschland beheimatet. Sie ist eine der wenigen Zeckenarten, die aktiv auf die Jagd nach Wirten geht. Auwaldzecken findet man vor allem im östlichen und südwestlichen Deutschland.

Die Auwaldzecke ist weniger ein Problem für uns Menschen als für unsere Tiere. Der Parasit befällt vor allem Hunde und Pferde und überträgt unter anderem Babesien, die Erreger der Babesiose, auch Hundemalaria genannt.

Diese Art ist zwischen Februar und Mai und zwischen August und dem Beginn des Winters aktiv. Man findet sie häufig in Wäldern, auf Wiesen oder Brachen, in Mooren oder Überschwemmungsgebieten.

Auwaldzecken haben es vor allem auf kleine Säugetiere, Rehe, Dam- und Rotwild, Pferde, Rinder, Schafe und Hunde abgesehen.

Braune Hundezecke

Die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) war bis vor gar nicht allzu langer Zeit ausschließlich in Afrika zu finden. Dank der weltweiten Klimaveränderung fühlt sich diese Zeckenart nun aber weiter nördlich pudelwohl, ist in Südeuropa mittlerweile weit verbreitet und schafft es immer wieder über die Alpen nach Süddeutschland.

Ihren Namen verdankt die Braune Hundezecke der Tatsache, dass sie es vor allem auf das Blut von Hunden abgesehen hat. Auf sie überträgt sie dann verschiedene Erreger: Babesien, Ehrlichia, Anaplasma, um nur einige zu nennen.

Die Braune Hundezecke ist am aktivsten während der warmen Sommermonate. Ihr reichen allerdings auch geheizte Räume in Häusern, Wohnungen oder Tierheimen, um selbst während der Wintermonate aktiv zu bleiben.

Häufig kommt diese Zeckenart als blinder Passagier im Hundefell nach Deutschland, wenn das Tier aus einem Tierheim in Südeuropa adoptiert und importiert wurde.

Igelzecke

Die Igelzecke (Ixodes hexagonus) steht ganz besonders auf das Blut von Igeln und hält sich überwiegend in deren Bau auf, wo sie auf das nächste Wirtstier wartet. Sie kommt in ganz Europa vor, vom Mittelmeer bis hoch nach Skandinavien.

Igelzecken übertragen unter anderem Borrelien und die gefürchteten FSME-Viren. Dabei sind besonders unsere Hunde und Katzen, ganz selten aber wir Menschen gefährdet.

Diese Zeckenart ist zwischen März und November aktiv und wartet in Wäldern, Stadtparks und Gärten auf das nächste Wirtstier.

Taubenzecke

Die Taubenzecke (Argas reflexus) findet man in ganz Deutschland, meistens an Gebäuden. Diese Zeckenart kann bis zu neun Jahre ohne einen Wirt überleben.

Taubenzecken sind relativ harmlos und haben es – wie der Name vermuten lässt – vor allem auf Tauben abgesehen. Menschen werden nur selten von ihnen befallen und wenn, dann wurden im schlimmsten Fall allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock festgestellt.

Unsere Hunde hingegen werden schon öfter von den Plagegeistern befallen. Das stecken unsere Vierbeiner aber in aller Regel ohne jede Probleme weg.

Im Außenbereich sind Taubenzecken von März bis Oktober aktiv, haben sie es erst einmal ins beheizte Innere eines Gebäudes geschafft, können sie allerdings auch das ganze Jahr über aktiv bleiben.

Wo halten sich Zecken bevorzugt auf?

Im Prinzip kann man immer und überall auf Zecken treffen. Schließlich bleiben sie teilweise mehrere Tage oder gar Wochen an einem Wirt hängen und können so weite Strecken zurücklegen. Schaut man sich aber beispielsweise den bevorzugten Lebensraum des Gemeinen Holzbocks an, dann sieht man vor allem feuchtere Gebiete in Wäldern oder an Waldrändern, aber auch Ränder hoher Wiesen. Dort lebt diese Zecke einen großen Teil des Jahres versteckt unter Laub oder Gras.

Zecken lauern auf Gräsern und anderen Bodenpflanzen

Wird das Tier aktiv, klettert es an Grashalmen und Bodenpflanzen nach oben und wartet auf einen Wirt. Streift dieser die Pflanze oder den Grashalm, steigt die Zecke einfach um oder lässt sich fallen. Das Gerücht, dass Zecken von Bäumen fallen, ist bis auf ganz wenige Ausnahmen einfach Quatsch. Zwar gibt es Vogelzecken, die manchmal auch aus dem Nest eines Vogels fallen können. In aller Regel aber finden Zecken auf Bäumen nicht den geeigneten Lebensraum. Abgesehen davon sind die meisten Zeckenarten extrem faul und bewegen sich nie viel weiter als einen Meter, bevor sie geduldig auf einen Wirt warten.

Weltweit gibt es rund 900 Arten von Zecken.

Was können Zecken beim Hund anrichten?

Es sind fünf schwere Krankheiten, die durch Zecken auf unsere Hunde übertragen werden können. Es ist für Halter wichtig, die Symptome dieser Krankheiten zu kennen, um im Ernstfall so schnell wie möglich reagieren und den Hund zu einem Tierarzt bringen zu können. Schauen wir uns also jede der von Zecken auf Hunde übertragbaren Krankheiten einmal im Detail an.

Babesiose

Babesien, wie die Erreger der Babesiose genannt werden, werden von der Auwaldzecke übertragen. In den ersten zwölf bis 72 Stunden nach dem Stich zerstören die Babesien die roten Blutkörperchen im Kreislauf des Hundes. Bei einer akuten Infektion entwickeln erkrankte Hunde zehn bis 21 Tage nach dem Stich hohes Fieber, fressen nicht mehr und erscheinen apathisch.

Im späteren Verlauf der Babesiose kommt es zu Durchfall und Erbrechen, bevor schließlich die Nieren versagen. Im Urin des Hundes finden sich Zerfallsprodukte der zerstörten roten Blutkörperchen, wodurch er bräunlich rot erscheint. Da diese Blutkörperchen nicht mehr für den Sauerstofftransport zur Verfügung stehen, kommt es zu Atemnot und Hustenanfällen. Außerdem steigt die Herzfrequenz rasant an, bevor der Hund schließlich bewusstlos wird.

Doch die Infektion muss nicht immer akut, sondern kann schleichend und in Schüben verlaufen, ähnlich einer Malariainfektion beim Menschen. Daher wird diese Krankheit oft auch als Hundemalaria bezeichnet.

Die Erreger werden in einer Blutuntersuchung nachgewiesen, was aufgrund einer verzögerten Immunantwort nicht immer eindeutig möglich ist. Noch vor Jahren galt die Babesiose als Reisekrankheit, die man sich vor allem im Mittelmeerraum zuzog. Aufgrund häufigerer Urlaubsreisen in diese Gegend und den Import von Hunden wurde die Auwaldzecke allerdings auch nach Deutschland eingeführt.

Pro Jahr erkranken in der Bundesrepublik zwischen 3000 und 4000 Hunde an Babesiose, die nie im Ausland waren.

Borreliose

Borreliose wird durch Bakterien verursacht, die sogenannten Borrelien. Diese befinden sich im Darm der Zecken und werden erst nach dem Stich durch das eingesaugte Blut aktiviert. Es kann bis zu 24 Stunden dauern, bis die Erreger über den Einstichkanal in den Wirt gelangen. Der Hauptüberträger der Borreliose ist der Gemeine Holzbock, die in Deutschland am häufigsten auftretende Zeckenart.

Wenn der Hund nach einem Befall mit Zecken Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Bewegungsunlust, Abmagerung oder gar neurologische Ausfallerscheinungen zeigt, kann eine Infektion mit Borrelien vorliegen und der Hund muss sofort zum Tierarzt. In einigen Fällen kann eine Borreliose beim Hund zu akuten Gelenkentzündungen führen, wobei nur ein sehr kleiner Teil der infizierten Tiere diese Symptome aufweist.

Um eine Borreliose einwandfrei nachweisen zu können, muss eine Gewebeprobe der Einstichstelle oder Gelenkflüssigkeit entnommen werden. Das bloße Auftreten von Antikörpern gegen Borrelien ist kein ausreichender Beweis für eine Infektion.

Zecken überleben 24 Stunden bei -12 Grad Celsius.

Anaplasmose

Bei der Anaplasmose befallen die sogenannten Anaplasma-Bakterien einen Teil der weißen Blutkörperchen. Schuld an der Übertragung dieser einzelligen Blutparasiten ist – wieder einmal – der Gemeine Holzbock.

Die Erkrankung kann entweder akut oder aber über viele Jahre hinweg und in mehreren Phasen verlaufen. Bei einer akuten Erkrankung entwickelt der Hund in der Regel sehr hohes Fieber, ist schwach und stellt das Fressen ein. Schmerzhafte Gelenkentzündungen rufen Lahmheiten hervor.

Überlebt der Hund diese Phase, was nicht immer gegeben ist, erscheint er zwar gesund, trägt aber die Erreger immer noch in seinem Körper. Sobald das Immunsystem des Hundes geschwächt wird – durch eine Erkrankung beispielsweise oder Stress – bricht die Anaplasmose erneut aus. Neben hohem Fieber und Problemen mit den Gelenken kommt es häufig zu teilweise schwerem Blutverlust über die Körperöffnungen und Einblutungen in die äußere Haut.

Anaplasma-Bakterien können über eine Blutuntersuchung nachgewiesen werden.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME genannt, betrifft uns Menschen sehr viel häufiger als unsere Hunde, die nur in ganz seltenen Fällen an den Viren erkranken, die vom Gemeinen Holzbock übertragen werden. Für einen Ausbruch der Krankheit, die mit einer Schädigung des zentralen Nervensystems sowie einer Entzündung der Hirnhaut oder des Gehirns einhergeht, müssen beim Hund zusätzliche Faktoren vorliegen, beispielsweise ein geschwächtes Immunsystem. Daher gibt es für Hunde auch keine FSME-Impfung.

Eine Ansteckungsgefahr besteht darüber hinaus nur in den sogenannten Endemiegebieten, die sich über Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen erstrecken.

Ehrlichiose

Die Ehrlichiose wird von Ehrlichia-canis-Bakterien ausgelöst, die von der Braunen Hundezecke übertragen werden. War diese Krankheit bis vor kurzem noch als Mittelmeerkrankheit bekannt, wurde sie mittlerweile auch im Saarland nachgewiesen.

Der Erreger befällt die zu den weißen Blutkörperchen zählenden Monozyten und verschafft sich Zugang zu Lymphknoten, der Milz und anderen Organen. Innerhalb von einer bis zwei Wochen nach der Infizierung kommt es zum Ausbruch der Ehrlichiose. In wiederkehrenden Schüben leidet der Hund unter Fieber, Atemnot, Appetitlosigkeit, Blutungen, Schwellungen der Milz und der Lymphknoten und schließlich unter einer dauerhaften Blutarmut.

Experten zufolge scheinen Deutsche Schäferhunde besonders anfällig für diese Erkrankung zu sein.

Zecken überleben eine Wäsche bei 40 Grad.

Wie übertragen die Zecken die Erreger auf den Hund?

Obwohl wir meistens von einem Zeckenbiss sprechen, sind es nicht die Beißwerkzeuge, die sowohl bei uns als auch bei unseren Hunden Schaden anrichten. Vielmehr ist es ein Saugrüssel, über den das Unheil kommt.

Mit ihren Beißzangen verletzten Zecken lediglich die Haut und bereiten das Feld für einen Stachel, der Hypostom genannt wird. Dieser Stachel, der ebenfalls Teil der Mundwerkzeuge der Zecke ist, wird in der Wunde verankert. Dabei sticht der Parasit keine Ader an, sondern reißt vielmehr eine kleine Wunde, die sich aus verletzten benachbarten Kapillaren mit Blut füllt.

Chemischer Cocktail

Über ihren Speichel gibt sie zuvor einen Gerinnungshemmer ab, der verhindert, dass der Stechrüssel, das Hypostom, verstopft und dafür sorgt, dass die Wunde offen bleibt. Um zu garantieren, dass die Mundwerkzeuge fest mit dem Wirt verankert sind, sondert die Zecke zudem eine Art Klebstoff ab. Ein Betäubungsmittel, das in ihrem Speichel enthalten ist, macht die Einstichstelle unempfindlich.

Zecken – die wahren Kotzbrocken

Während des Saugens würgt die Zecke unverdauliche Teile des Bluts aus ihrem Magen wieder hoch und spuckt diese wieder in den Wirt zurück. Dabei können Krankheitserreger, die zuvor bei einem anderen Wirt abgesaugt wurden, auf den neuen Wirt übergehen.

Befinden sich die Erreger im Darm der Zecke, werden sie oft nicht sofort übertragen. Vielmehr erfolgt die Infizierung während des Saugaktes und kann – wie im Fall der Borreliose – sechs bis 24 Stunden dauern. Daher ist es so wichtig, Zecken so schnell wie möglich zu entfernen und sie bei der Entfernung nicht zu quetschen, damit die Viecher nicht noch mehr ihres Magen- und Darminhalts abgeben.

In Europa ist die Zecke mit Abstand der schlimmste Verteiler von lebensgefährlichen Krankheiten.


Zeckenmittel für Hunde

Da wir jetzt nicht nur wissen, mit wem wir es zu tun haben, sondern auch, was Zecken bei unseren Hunden anrichten können, widmen wir uns in diesem Abschnitt unserem verfügbaren Arsenal an Zeckenmitteln für Hunde.

Ich möchte an dieser Stelle deutlich klarstellen, dass wir als Team der Haustierzentrale in jedem Fall zu verschreibungspflichtigen Zeckenmitteln raten, die du von deinem Tierarzt bekommst. Von natürlichen Abwehrmitteln halten wir nichts. Unserer Erfahrung nach – und das sind einige Jahrzehnte an täglicher Arbeit mit Hunden – bringen weder Bernsteinketten noch Kokosöl einen Nutzen gegen Zeckenbefall mit sich.

Risiko- und Nutzenabwägung

Wir sind uns durchaus darüber im Klaren, dass Zeckenhalsbänder, Spot-ons und Tabletten Nervengifte enthalten, die bei unseren Hunden eine negative Reaktion auslösen können. Das Risiko, bei einem Zeckenbefall mit einer der oben genannten Krankheiten infiziert zu werden, ist allerdings ungleich höher. Selene hat als Tierärztin in ihrem beruflichen Alltag deutlich häufiger mit Hunden zu tun, bei denen ein Zeckenbiss zu teilweise schweren Komplikationen geführt hat als mit Vierbeinern, die eine allergische oder neurologische Reaktion auf das Zeckenmittel gezeigt haben.

Ich arbeite seit fast 20 Jahren im Süden Europas aktiv im Tierschutz. In dieser Zeit habe ich mehr Hunde an einem Zeckenbefall sterben sehen als solche, die aufgrund eines Spot-ons einen Krampfanfall bekommen hätten. Um genau zu sein, habe ich so einen Fall nie beobachtet oder mit eigenen Ohren davon gehört.

Zwischen 30 und 35% der Zecken in Deutschland sind mit Erregern potentiell tödlicher Krankheiten infiziert.

Persönliche Erfahrung contra Marketing

Weder unsere Tierärztin noch ich wollen dir irgendwas verkaufen. Wir wollen – und können – auch niemandem vorschreiben, was sie oder er mit ihrem oder seinem Hund zu tun und zu lassen hat. Wir wollen, dass dein Hund so gut wie möglich geschützt ist.

Zusammen bringen wir von der Haustierzentrale es auf über 30 Jahre in der Arbeit mit Hunden. In dieser Zeit haben wir alles versucht, um unseren Vierbeinern die Chemiekeule zu ersparen. In den allermeisten Fällen mussten wir die Notbremse ziehen, weil unsere persönlichen Erfahrungen mit den Werbeversprechen der Marketingabteilungen der Hersteller nichts gemein hatten.

„Hokuspokus Fidibus“

Selbst Tierärzte mit einer wissenschaftlich fundierten Ausbildung setzen auf den neuen Natur-Trend (den wir in den meisten anderen Fällen immer unterstützen), um Kasse zu machen. Da wirbt dann schon mal ein Doktor des Tierärztlichen Instituts für angewandte Kleintiermedizin unter der Überschrift „Das große Geschäft mit der Ahnungslosigkeit“ mit Clips, die „in einem aufwendigen Prozess energetisch aktiviert und mit einer ganz speziellen Schicht versiegelt werden“. Im Kombipack mit dem „natürlichen“ Spot-on gegen Zecken für nur 35,40 Euro.

Energetisch aktiviert also. Aaaha! Experten der Stiftung-Warentest bezeichneten diese Art von Werbeversprechen in einem Test von Zeckenmitteln für Hunde als „Hokuspokus Fidibus“. Dem ist von unserer Seite aus nichts hinzuzufügen.

Welche Zeckenmittel für Hunde gibt es?

Zeckenmittel für Hunde kommen in vielen Formen. Man muss nicht lange suchen, bevor man beim Tierarzt, im Zoogeschäft oder sogar im Supermarkt auf diverse Mittel zur Zeckenabwehr bei Hunden stößt. Schauen wir uns einmal an, was es so gibt.

Tabletten

Tabletten gibt es als verschreibungspflichtiges Medikament – beispielsweise Bravecto oder Simparica – beim Tierarzt. Der Wirkstoff ist ein Akarizid und Insektizid aus der Familie der Isoxazoline. Die Zecken sterben nach Kontakt mit dem Wirkstoff ab. Die Wirkung hält verlässlich bis zu drei Monate an.

Lass dich von deinem Tierarzt hinsichtlich der Tabletten beraten. Lass dich außerdem über die möglichen Nebenwirkungen aufklären. Hunde mit neurologischen Problemen (Krampfanfällen beispielsweise) sollten diese Medikamente nicht einnehmen.

Es gibt leider aber auch nicht verschreibungspflichtige Präparate, die dem besorgten Hundehalter das Blaue vom Himmel versprechen, während sich die Hersteller dieser vermeintlichen Naturpillen gegen Zecken sehr bedeckt halten, wenn man sie nach den Inhaltsstoffen ihrer Kapseln fragt. Wir raten: Finger weg!

Vorteile von Tabletten:

  • Wirksamer Schutz, der drei Monate lang anhält
  • Kann beim Baden und Schwimmen nicht abgewaschen werden
  • Gefährdet andere im Haushalt lebende Kleintiere und Kinder nicht

Nachteil:

  • Der Hund muss eine relativ hohe Konzentration eines Nervengiftes aufnehmen.
  • Die Zecke muss den Hund erst beißen und stechen, um vom Wirkstoff abgetötet zu werden.

0,01 bis 0,1% der mit Spot-ons oder Tabletten behandelten Hunde leidet unter schweren Nebenwirkungen.

Spot-ons

Spot-ons wie Exspot, Advantix oder Advocat enthalten den Wirkstoff Permethrin, der in flüssiger Form kommt und äußerlich angewendet wird. Bei kleinen Hunden träufelt man das Zeckenmittel an eine Stelle zwischen den Schultern auf die Haut, an die sie mit der Schnute nicht hinkommen. Bei größeren Hunden verteilt man den Inhalt der kleinen Tube an zwei Stellen zwischen den Schultern und ein wenig oberhalb des Schwanzansatzes. Wichtig ist, dass sich der Hund an den beiden Stellen nicht lecken kann und dass das Spot-on wirklich auf die Haut aufgebracht wird und nicht nur auf das Fell.

Anders als die Tabletten bieten die Spot-ons allerdings keinen Langzeitschutz, der über Monate anhält. Vielmehr muss die Flüssigkeit alle 21 Tage auf die Haut aufgebracht werden.

Spot-ons gibt es nicht nur als verschreibungspflichtige Medikamente, sondern auch als frei verkäufliche Alternative in Zoohandlungen und großen Supermärkten, beispielsweise unter dem Namen „Frontline“. Frontline war vor Jahren das Mittel der Wahl und durfte in keinem Hunde-Utensilienschrank fehlen. Das Problem: Nach Ansicht vieler Tierärzte haben die Zecken eine Resistenz gegen Frontline und den enthaltenen Wirkstoff entwickelt, der mittlerweile in den meisten rezeptfreien Spot-ons verwendet wird.

Auch in diesem Fall gilt leider: Wenn es maximal wirken soll, geht nichts über eine Beratung und den Kauf eines Zeckenmittels für Hunde beim Tierarzt.

Vorteile von Spot-ons:

  • einfache Anwendung
  • wirksam gegen eine Vielzahl von Parasiten
  • zuverlässige Wirkung

Nachteile:

  • wäscht sich bei häufigem Kontakt mit Wasser ab
  • giftig für Katzen und Kleintiere
  • in Einzelfällen kommt es zu Nebenwirkungen

Zeckenhalsbänder

Zeckenhalsbänder wie das Scalibor oder Seresto geben den Wirkstoff langsam und teilweise über sechs Monate an die Haut des Hundes ab. Dabei sollen sie – anders als die Tabletten oder Spot-ons – repellierend wirken. Die Zecke soll also davon abgehalten werden, den Hund als Wirtstier zu besteigen. Hat sich doch ein Spinnentier auf dem Vierbeiner verirrt, sollen Mikropartikel des Wirkstoffs, der sich auf dem Fell und der Haut des Hundes verteilt haben, dem Parasiten den Garaus machen.

Es gibt verschreibungspflichtige Zeckenhalsbänder mit Wirkstoffen wie Deltamethrin und Flumethrin. Diese sind denen in den Spot-ons sehr ähnlich und weisen im Praxistest gute Ergebnisse auf.

Das kann man von den rezeptfreien Halsbändern, die es im Zooladen und im Supermarkt gibt, nicht behaupten. Diese Produkte setzen vor allem auf stark riechende Substanzen, welche die Zecken davon abhalten sollen, sich den Träger des Halsbandes als Wirt auszusuchen. Das Problem: Sie funktionieren nicht (warum sie nicht funktionieren können, erfährst du weiter unten).

Vorteile von Zeckenhalsbändern:

  • lassen sich vor dem Baden oder Schwimmen abnehmen
  • es erfolgt keine Einnahme oder Aufnahme des Wirkstoffes über die Haut
  • Halsbänder, die auf ein Insektizid als Wirkstoff setzen, sind geruchsneutral
  • Langzeitschutz von bis zu sechs Monaten

Nachteile:

  • können im Einzelfall zu allergischen Reaktionen beim Hund führen

Sprays

Zeckensprays setzen entweder auf Insektizide wie Fipronil (beispielweise Frontline) oder aber auf Biozide (zum Beispiel in Anifit), die über ihren Geruch eine abschreckende Wirkung auf Flöhe und Zecken haben sollen. Während Fipronil bei den meisten Hunden eine akzeptable Wirkung zeigt, versagen Nelkenblüten- und Citronellaöl nicht nur auf ganzer Linie, sondern können aufgrund ihres intensiven Gestanks Geruchs beim Hund ein deutliches Unwohlsein auslösen. Ein rezeptpflichtiges Spray zur Zeckenabwehr gibt es meines Wissens nach nicht.

Vorteile von Sprays:

  • Häufiger befallene Körperregionen wie in den Achseln oder in der Genitalregion der Hunde können gezielt intensiver behandelt werden als andere Stellen, die nicht so häufig betroffen sind
  • Der Schutz kann nach dem Baden oder Schwimmen erneuert werden.

Nachteile:

  • Die meisten Sprays sind absolut unwirksam.
  • Die wirksamen Sprays können allergische Reaktionen auslösen.

Alternative „Zeckenmittel“

Bierhefe, Kokosöl, Knoblauch, Neemextrakt, Zistrose – die Liste der alternativen „Zeckenmittel“ ist lang. Während viele dieser „natürlichen Alternativen“ schlicht wirkungslos im Kampf gegen Zecken sind, können andere eine echte Gefahr für Hunde darstellen.

Wer seinem Hund beispielsweise Knoblauch füttert, riskiert unter Umständen die Gesundheit seines Hundes. Die Knolle enthält einen Stoff, der das Hämoglobin in den roten Blutkörperchen zerstört. Als Folge davon können die zerfallenen Blutzellen zu einer Verstopfung der feinen Nierenkanäle führen, was schließlich in einer Blutarmut (Anämie) oder mit Vergiftungserscheinungen enden kann.

Bierhefe steht für meine Hunde auf dem täglichen Speiseplan. Während sie hinsichtlich kräftiger Gelenke und glänzenden Fells gute Dienste leistet, ist sie in Bezug auf Zeckenschutz komplett wirkungslos. Dasselbe habe ich im Sebstversuch über Kokosöl herausgefunden: Abgesehen vom glänzenden Fell (wenn ich meine Viecher darin bade) hat das Zeug meiner Erfahrung nach null Wirkung auf Zecken.

Wir raten von diesen Hausmitteln deutlich ab.

Nachteil von alternativen Zeckenmitteln:

  • Sie sind unwirksam und der Hund wird einem zu hohen Risiko ausgesetzt.

Bernstein & Co.

Wer sich schon bei der Bierhefe verwundert an den Kopf gefasst hat, sollte sich vor dem Weiterlesen einen Nerventee aufbrühen, denn es kommt schlimmer. Viel schlimmer. Die Marketingabteilungen der Hersteller verbiegen sich schon seit einigen Jahren die Gehirne, um Menschen glauben zu machen, dass Bernstein, Keramik oder energetisch aufgeladene Steine einen abstoßenden Effekt auf Zecken haben. Wissenschaftlich betrachtet ist das natürlich ein riesiger Unsinn.

Leere Versprechungen von Herstellern und Händlern

Die abschreckende Wirkung des Bernsteins auf Zecken begründen Hersteller und Händler wie folgt:

  1. Die Zecken werden vom harzigen Geruch vom Stich abgehalten.
  2. Die elektrostatische Aufladung des Steins stößt Zecken ab.

In der Realität aber haben Zecken überhaupt keine Nase, können also nicht riechen. Stattdessen haben sie das sogenannte Hallersche Organ, das sich an den beiden vordersten der acht Zeckenbeine befindet. Dieses Sinnesorgan dient der Zecke zur chemischen Analyse der Umgebungsluft auf vier Substanzen: Ammoniak, Buttersäure, Kohlendioxid und Milchsäure. Diese Stoffe werden von Menschen und Tieren über den Schweiß, Talg oder unsere Atemluft an die Umgebung abgegeben. Handelt es sich um einen anderen als diese vier Stoffe, kann die Zecke ihn nicht wahrnehmen.

Evolutionstechnisch würde das auch wenig Sinn machen. Kein Wirt und keiner ihrer Fressfeinde riechen nach Harz und mehr interessiert Zecken als komprimierte Parasiten nicht.

Und was ist mit dem Strom?

Aber hilft dann wenigstens die elektrostatische Aufladung, welche die Zecken wie ein unsichtbarer Stromzaun abstoßen soll? Nee, auch nicht. Zwar lädt sich Bernstein tatsächlich durch Reibung auf. Diese Aufladung bewirkt allerdings genau das Gegenteil dessen, was uns die Vermarkter glauben machen wollen.

Bewiesen wurde das bereits im Jahre 600 vor Christus. Da hat der griechische Mathematiker und Philosoph Thales von Milet nach dem Reiben von Bernstein an einem Tierfell bemerkt, dass der Stein auf einmal kleine Federn, Strohhalme und die Haare an seinen Armen anzog. ANZOG.

Um es nochmal ganz deutlich zu sagen: Elektrostatisch aufgeladener Bernstein zieht Dinge an. Auch Zecken. Also, theoretisch. Wenn die elektrostatische Aufladung stark genug wäre. Ist sie aber nicht. Die Wirkung auf Zecken ist gleich null, wie man im folgenden Clip mühelos erkennen kann.

Zecken zeigen sich von Bernstein gänzlich unbeeindruckt. Hokuspokus Fidibus!

Vorteile von Bernstein & Co.:

  • todschick…

Nachteile:

  • Nichts davon wirkt.
  • Der Hund ist einem unnötigen Risiko ausgesetzt.
  • Vermarkter werden in ihrem Glauben unterstützt, dass jeden Morgen irgendwo auf der Welt mindestens ein dummer Mensch aufwacht, der nur gefunden werden muss.

Vor Saisonstart ab zum Tierarzt

Es ist in jedem Fall ratsam, vor dem Start der Zeckensaison Rücksprache mit deinem Tierarzt zu halten und sich bezüglich der verfügbaren Zeckenmittel für Hunde beraten zu lassen. Er ist hinsichtlich der Wirkstoffe und der Anwendungsweisen auf dem neuesten Stand und weiß, welches Mittel aktuell das beste ist.


Zeckenentfernung beim Hund

Hat es sich doch einer der Parasiten auf der Haut deines Hundes gemütlich gemacht, ist vor allem eines wichtig: schnelles Handeln. Wir wissen bereits, dass einige Krankheitserreger erst nach zwölf bis 24 Stunden auf den Hund übergehen. Je schneller du den Blutsauger also findest und entfernst, desto geringer ist das Infektionsrisiko beispielsweise mit Borrelien.

Allerdings ist es wichtig, die Zecken richtig zu entfernen, um ein Verbleiben des Kopfes oder ein Entleeren des Magen-Darm-Inhalts der Zecke in den Hund zu vermeiden.

Was tun, wenn der Hund Zecken hat?

Wie man sich im Fall eines Zeckenbefalls verhält, hängt meiner Meinung nach von verschiedenen Faktoren ab und ich muss gestehen, dass ich diesen Punkt lange mit unserer Tierärztin diskutiert habe. Nach zähen Verhandlungen konnten wir uns schließlich darauf einigen, dass es durchaus Fälle gibt, in denen der Hund einen Tierarzt sehen sollte.

Das gilt vor allem für unerfahrene Hundebesitzer, die zum ersten Mal mit dem Problem konfrontiert werden. In solch einem Fall ist es absolut sinnvoll, einem Profi beim Entfernen auf die Finger zu schauen und sich den einen oder anderen praktischen Tipp abzuholen.

In anderen Fällen benötigt man einfach ein zweites Paar Hände, beispielsweise wenn sich die Zecke sehr nah am Auge befindet und der Hund beim Anblick des auf sich zukommenden Zeckenhakens in Panik gerät. Hier wirkt die professionelle Ruhe eines Tierarztes oft Wunder.

Gar keine Diskussion gibt es, wenn sich die Einstichstelle kreisförmig rötlich verfärbt oder der Hund eine andere Reaktion zeigt – ab zum Tierarzt.

„Ich renne doch nicht wegen jeder Zecke zum Tierarzt!“

Ich kann den Aufschrei der Entrüstung aus dem Lager unserer erfahrenen Hundefreunde förmlich hören und muss gestehen: Ich bin auf eurer Seite. Ich renne auch nicht wegen jeder Zecke zum Tierarzt. Nach hunderten von entfernten Blutsaugern bin ich im Zeckenentfernen so gut wie jeder Tierarzt und lasse den Profi nur noch in Ausnahmefällen noch einmal drüberschauen.

Wer über ausreichend Erfahrung und das richtige Werkzeug verfügt und zudem nicht in einem speziellen Risikogebiet lebt, kann die Zecken auch selbst entfernen. Welches Werkzeug das richtige ist, klären wir im nächsten Abschnitt.

Welche Werkzeuge zur Zeckenentfernung gibt es?

Noch vor wenigen Jahren waren wir Hundehalter mehr als dürftig mit Werkzeugen zur Zeckenentfernung ausgestattet. Es gab die Zeckenzange und die Zeckenzange, wahlweise in kreischendem Orange oder Granny-Smith-Grün. Das hat sich zum Glück geändert, da diese Zange – falsch angewendet – mehr Unheil als Segen mitbrachte.

Zeckenzange

Beginnen möchte ich mit der Zeckenzange, die meiner Meinung nach das schlechteste der guten Werkzeuge darstellt. Es handelt sich um eine Plastikzange, die in etwa so lang ist wie ein Feuerzeug und gut in der Hand liegt. Durch Druck auf das obere Ende der Zange – genau wie bei einem Kugelschreiber – öffnen sich die zwei Greifer der Zeckenzange. Reduziert man den Druck, schließen sich die Greifer und halten im Idealfall nur den Stechrüssel der Zecke im Klammergriff.

Der Idealfall tritt für meinen Geschmack allerdings viel zu selten ein. Im Normalfall erwischt man die Zecke irgendwo am Kopf oder quetscht ihren Körper mit der Zange. Das kann entweder dazu führen, dass der Kopf abgerissen wird oder man die Zecke wie eine Zahnpastatube quetscht, wobei sich der Magen-Darm-Inhalt in den Hund entleert.

Foto einer Zeckenzange
Die Zeckenzange war lange Zeit das einzige Werkzeug zur Zeckenentfernung.

Zeckenhaken

Der Zeckenhaken ist eine tolle Erfindung, da er meine beiden Kritikpunkte an der Zeckenzange eliminiert. Weder kann man damit den Kopf abreißen, noch die Zecke zerquetschen, da der Zeckenhaken eher ein Hebelwerkzeug ist. Wie das gespaltenen Ende einer Brechstange schiebt man den Haken zwischen den Zeckenkopf und die Haut des Hundes und hebelt den Parasiten mit einer leichten Drehbewegung heraus. Meiner Meinung nach ist der Zeckenhaken das beste Werkzeuge zur Zeckenentfernung.

Bild eines Zeckenhakens in gelb
Der Zeckenhaken ist eine bessere Alternative zur Zeckenzange.

Zeckenschlinge

Die Zeckenschlinge sieht aus wie ein Kugelschreiber. Auf Druck öffnet sich am unteren Ende eine dünne Schlinge, die über die Zecke gestreift wird. Liegt die Schlinge auf der Haut des Hundes auf, lässt man den Druckknopf los, wodurch sich der Nylonfaden zuzieht und den Stechapparat der Zecke fest umklammert. Mit einer leichten Drehung entfernt man den Parasiten schließlich. Ob man sich für Zeckenhaken oder -schlinge entscheidet, ist dem persönlichen Geschmack überlassen. Sie funktionieren beide hervorragend.

Die Zeckenschlinge eignet sich für Zecken jeder Größe.

Wie entfernt man eine Zecke beim Hund?

Bei der Entfernung von Zecken kommt es auf drei Dinge an:

  • Entferne die Zecken so schnell wie möglich
  • Stell sicher, dass der Kopf nicht abreißt und in der Wunde verbleibt
  • Quetsche die Zecke nicht

Meistens sind die Zecken unter dichtem Fell begraben und man muss sich erst einmal Platz schaffen, um sie entfernen zu können. Am besten geht das mit nassem Fell, weswegen ich die Stelle mit Wasser befeuchte. Dann kann ich das Haar teilen und die Zecke so weit freilegen, dass ich sie sicher entfernen kann.

Es ist wichtig, das Werkzeug so dicht wie möglich an der Haut des Hundes anzusetzen. Ist dieser Abstand zu groß, besteht die Gefahr, dass der Stechapparat – meistens samt Kopf – in der Haut verbleibt, was zu zum Teil schweren Entzündungen führen kann.

Das eigentliche Entfernen der Zecke erfolgt dann unter leichtem Zug bei gleichzeitiger Drehung des Werkzeugs. Die Richtung spielt dabei keine Rolle. Desinfiziere die Einstichstelle sofort nach dem Entfernen und beobachte sie über die nächsten Stunden.

Foto einer Zeckenentfernung

Und was sollte ich beim Entfernen von Zecken beim Hund vermeiden?

Immer wieder bekommt man als Hundehalter die wildesten Ratschläge zur Zeckenentfernung, ob man nun will oder nicht. Die meisten davon sind Quatsch, einige sogar gefährlich.

So hört man immer wieder, dass man die Zecke mit diversen Flüssigkeiten beträufeln soll, von Alkohol über Öl bis hin zu Klebstoff. Nichts davon ist wahr. Diese Methoden führen lediglich dazu, dass sich die Zecke in unseren Hund übergibt und erst recht Erreger überträgt. Wer mit einem der oben genannten Werkzeuge ausgestattet ist, hat alles, was sie oder er braucht.

Achte darauf, den Kopf der Zecke nicht abzureißen. Das führt immer wieder zu Entzündungen, die teilweise schwer verlaufen und dessen Behandlung langwierig sein kann. Setze das Werkzeug zur Zeckenbekämpfung immer so nah an der Haut des Hundes an wie möglich und übe während der Entfernung eine leichte Drehbewegung aus.

Vermeide es auf jeden Fall, den Körper der Zecke zu quetschen. Das führt unweigerlich zu einer Entleerungs des Magen-Darm-Inhalts in den Hund und zur Übertragung von Erregern. Daher sind die Finger als Werkzeug zur Zeckenentfernung auch gänzlich ungeeignet, da man die Viecher in der Regel nicht weit genug unten erwischt.

Wenn bei der Zeckenentfernung etwas schief geht, gehe kein Risiko ein und wende dich an deinen Tierarzt.

Fazit

Zecken sind ein riesiges Problem für uns Hundehalter. Sie übertragen Krankheiten auf uns Menschen und unsere Vierbeiner, die uns im Extremfall töten können. Zur Abwehr haben uns die Pharmahersteller diverse chemische Cocktails zur Verfügung gestellt, die wir in Form von Tabletten, Spot-ons oder Halsbändern in oder auf unseren Hunden einsetzen können. Diese Medikamente können im Einzelfall Nebenwirkungen hervorrufen, sind aber die einzig wirksamen Waffen im Kampf gegen die Zecken.

Alternative Produkte können unterstützend eingesetzt werden, obwohl man vor dem Kauf und der Anwendung immer den gesunden Menschenverstand einschalten sollte. Weder Steine noch Keramik oder irgendwelche Bioresonanzen haben irgendeine Wirkung auf Zecken.

Verantwortungsbewusste Hundehalter gehen das Risko einer Infektion ihres Hundes mit Anaplasmose, Babesiose oder Borreliose nicht ein sondern informieren sich bei ihrem Tierarzt über geeignete Formen des Zeckenschutzes und über das beste Zeckenmittel für ihren Hund.

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