Eine Krankenversicherung für Hunde soll Halter vor hohen Tierarztrechnungen schützen. Während eine Operationsversicherung unter Umständen noch sinnvoll sein kann, ist die Vollversicherung eines Hundes aber in aller Regel rausgeworfenes Geld. Die Beiträge sind zu hoch, es gelten unrealistische Obergrenzen und versichert werden nur gesunde Hunde.


Ein Hund kann krank werden. Er kann sich verletzten, einen Unfall haben oder an chronischen Problemen leiden, die eine lebenslange Behandlung erforderlich machen. Da scheint es doch nur logisch, sich mit einer Hundekrankenversicherung gegen solch drohende Risiken zumindest finanziell abzusichern – oder etwa nicht?

Diese acht Gesellschaften gibt es

Das Geschäft mit Hundekrankenversicherungen ist in Deutschland noch ein recht junges. Entsprechend klein ist die Zahl der Anbieter. Derzeit sind es gerade mal acht Unternehmen, die eine Krankenversicherung für Hunde und andere Haustiere anbietet. Dies sind:

  • AGILA Haustierversicherung AG
  • Allianz Hundeversicherung
  • Barmenia Hundeversicherung
  • Gothaer Hundeversicherung
  • Helvetia Hundeversicherung
  • Petplan Hundeversicherung (Tiergarten Versicherungsdienst GmbH)
  • R+V Hundeversicherung
  • Uelzener Krankenversicherung für Hunde

Was genau ist eine Hundekrankenversicherung?

Eine Hundekrankenversicherung ist – wie das Wort bereits unschwer vermuten lässt – eine Krankenversicherung für Hunde. Hundebesitzer zahlen einen monatlichen Beitrag und bekommen im Gegenzug von der Versicherung die Tierarztkosten erstattet – zumindest wollen Versicherungsgesellschaften das in ihren Werbeanzeigen glauben machen. So ganz stimmt das aber nicht.

Von OP-Versicherung bis Vollschutz

Welche Leistungen übernommen werden und wer diese in Anspruch nehmen darf, ist von Versicherungsgesellschaft zu Versicherungsgesellschaft verschieden. Jedes Unternehmen bietet zudem verschiedene Pakete an und jedes kommt mit seinen ganz eigenen Limitierungen.

So greift die OP-Versicherung nur bei medizinischen Eingriffen und in der Regel erst dann, wenn eine Vollnarkose nötig ist. Alle begleitenden Maßnahmen wie Blutentnahme und -analyse, Ultraschall- oder Röntgenuntersuchungen oder die gesamte Nachbehandlung bleiben beim Halter hängen.

Die Vollversicherung deckt auch Routineuntersuchungen beim Tierarzt ab. So können die Rechnungen für Impfungen, Wurmkuren oder Kastrationen bei der Versicherungsgesellschaft eingereicht werden.

Ein Hund mit Halkrause nach einer Operation.
Nachbehandlungen sind bei der Hundekrankenversicherung oft von der Kostenübernahme ausgeschlossen. (Foto: Pexels)

Hohe Selbstbeteiligung und niedrige Obergrenzen

Doch wie jeder Vertrag kommt auch die Hundekrankenversicherung mit einer Menge Kleingeschriebenem – und da wird es bekanntlich ja erst richtig interessant, wie auch die Stiftung Warentest in einem Tarif-Test herausgefunden hat, den du hier findest.

So übernehmen die Versicherungsgesellschaften – mit einer einzigen Ausnahme! – mitnichten alle anfallenden Kosten. Selbst wenn man sich für das Super-Duper-Luxus-Paket entscheidet, ist man als Halter an jeder Rechnung beteiligt – die Selbstbeteiligungsklausel macht’s möglich.

Außerdem haben alle Versicherungsgesellschaften Obergrenzen für die Kostenübernahme festgelegt, von 3000 Euro bis 10.000 Euro im Jahr. Das reicht im Ernstfall nicht aus, wenn ein Hund beispielsweise über einen längeren Zeitraum stationär in einer Tierklinik behandelt werden muss.

Rassetypische Erkrankungen oft ausgeschlossen

Doch damit ist noch lange nicht Schluss mit den Einschränkungen. Oft sind es Besitzer von großen Rassehunden, die sich für eine Hundekrankenversicherung interessieren, da ihre Schützlinge bekannt dafür sind, im Laufe ihres Lebens an der einen oder anderen chronischen Erkrankung zu leiden.

Doch gerade diese rassetypischen Erkrankungen wie die Hüftdysplasie, sind in den allermeisten Fällen ausgeschlossen. Lediglich die AGILA Haustierversicherung aus Hannover klammert rassespezifische Erkrankungen nicht aus.

Diverse Rassen ausgeschlossen

Die meisten Versicherungsunternehmen versichern auch längst nicht alle Hunde. Sogenannte „Listenhunde“, also Rassen, die sich auf den diversen Listen „potentiell gefährlicher Rassen“ befinden, sind in aller Regel vom Versicherungsschutz ausgeschlossen oder werden nur gegen einen gepfefferten Aufpreis versichert. Einzige Ausnahme: Die Schweizer Helvetia. Diese zeigt sich zwar extrem pingelig, wenn es um das Eintrittsalter der Hunde geht, schließt aber im Gegenzug keine Rasse aus.

Obligatorische Wartezeiten

Wer eine Hundekrankenversicherung abschließt, kann die in aller Regel nicht sofort in Anspruch nehmen. Ausnahme sind medizinische Notfälle. In allen anderen Fällen müssen Versicherungsnehmer bis zu drei Monate lang warten, bis die erste Rechnung bei der Versicherungsgesellschaft eingereicht werden kann.

Damit soll vorgebeugt werden, dass Menschen mit einem kranken Hund schnell eine Versicherung abschließen, bevor sie zum Tierarzt gehen, wodurch sich die Prämien für alle Versicherten zwangsläufig erhöhen würden.

Eine Hundekrankenversicherung übernimmt auch die Kosten für Röntgenaufnahmen.
Röntgenuntersuchungen sind nicht so teuer, wie man vielleicht denkt und die meisten Hunde werden nie eine brauchen. (Foto: Pexels)

Was kostet eine Hundekrankenversicherung?

Welche monatlichen Kosten auf den Halter nach Abschluss einer Hundekrankenversicherung zukommen, lässt sich aufgrund der oben genannten Faktoren also nicht sagen. Für den Besitzer eines kerngesunden, mittelgroßen Mischlings von zwei Jahren beginnen die Beiträge für eine Vollversicherung bereits bei etwas mehr als 20 Euro. Wer einen großen oder sehr großen Hund sein Eigen nennt, der möglicherweise schon etwas älter ist und auch noch einer Rasse angehört, die bei unserer Gesellschaft in Ungnade gefallen ist, dann kann sich der monatliche Beitrag auf weit mehr als 100 Euro belaufen.

Um die Unterschiede zu verdeutlichen, habe ich einmal drei Beispielrechnungen erstellt:

Beispiel 1: Mischling, 2 Jahre alt

Ausgangslage: Du möchtest deinen zwei Jahre alten Mischling, der einen Chip hat und kerngesund ist, mit einer Vollversicherung ausstatten.

Die Uelzener Krankenversicherung für Hunde verlangt dafür stolze 84,18 Euro im Monat. Dafür aber gibt es für den Halter keine Selbstbeteiligung und keine Obergrenze. Dies ist die einzige Gesellschaft mit diesen Konditionen.

Bei der Allianz Hundeversicherung zahlt man monatlich 40,79 Euro, ist aber mit 20 Prozent an allen anfallenden Kosten beteiligt. Allerdings ist die Obergrenze mit 10.000 Euro verhältnismäßig üppig bemessen.

Petplan hat auf den ersten Blick den attraktivsten Plan – wenn man nur auf die monatlichen Beiträge schaut. Die Krankenversicherung für deinen Mischlingshund würde dich nur 22,15 Euro pro Monat kosten. Dann bist du jedoch mit 40 Euro pro eingereichter Rechnung dabei und die Obergrenze für medizinische Leistungen liegt bei 3000 Euro pro Jahr. Das reicht im Ernstfall eher nicht aus.

Beispiel 2: Hovawart, 6 Jahre alt

Ausgangslage: Dein Hovawart ist sechs Jahre alt, hat einen Chip, keine Vorerkrankungen und ist dein ganzer Stolz. Natürlich soll er eine Vollversicherung erhalten.

Die Helvetia Hundeversicherung berechnet diesen Vollschutz mit 38,98 Euro im Monat. Wenn man bedenkt, dass die Selbstbeteiligung bei 20 Prozent liegt, ist das schon ganz ordentlich. Das eigentliche Problem aber ist die Obergrenze von 2500 Euro im Jahr. Bei einem Hund einer Rasse, bei der Schilddrüsenunterfunktion, Hüftdysplasie und ein Lebershunt zu den rassetypischen Erkrankungen gehören, ist dieser Betrag im Ernstfall nicht mal die Spitze des Eisbergs, sondern nur der Schnee, der obendrauf liegt.

Die Allianz Hundeversicherung versichert deinen Hovawart für 66,57 Euro im Monat, erwartet ebenfalls eine Selbstbeteiligung von 20 Prozent, hat aber die Obergrenze bei 10.000 Euro pro Jahr festgelegt, was der Realität in unserem Beispiel schon erheblich näher kommt.

Beispiel 3: Rottweiler, 9 Jahre alt

Ausgangslage: Du weißt, dass auch Hunde in die Jahre kommen und möchtest für deinen neun Jahre alten und gechippten Rottweiler nur das Beste in Form einer Krankenversicherung für Hunde.

Der Spaß kostet dich bei der Petplan Hundeversicherung 71,65 Euro pro Monat. 20 Prozent einer jeden Rechnung zahlst du aus der eigenen Tasche. Die Obergrenze liegt bei 4000 Euro im Jahr.

Bei der Helvetia ist man monatlich „nur“ mit 54,24 Euro dabei, dafür zahlt diese Gesellschaft aber auch nur maximal 2500 Euro im Jahr.

„2500 Euro hört sich doch gar nicht so schlecht an“, sagst du? Schauen wir uns doch mal die rassetypischen (Erb-)erkrankungen von Rottweilern an:

  • Herzverengung
  • Degenerative Rückenmarkentzündung
  • Ellbogendysplasie
  • Hüftdysplasie
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Osteochondrose

Das kann im Ernstfall deutlich teurer werden als 2500 Euro.

Auf diese Punkte muss man achten

Wie die drei Beispiele verdeutlichen, ist es unmöglich, generelle Aussagen zu einer bestimmten Versicherungsgesellschaft oder einem bestimmten Paket zu treffen, da buchstäblich jeder Fall verschieden und individuell ist.

Dir als Halter bleibt nicht viel mehr übrig, als investigativ tätig zu werden, wenn du dich und deinen Hund mit einer OP-Versicherung oder einer Krankenversicherung für Hunde absichern willst. Auf diese Punkte solltest du dabei unbedingt achten:

  • Wie hoch ist die Obergrenze für Erstattungen medizinischer Leistungen pro Jahr?
  • Wie lange wird ein stationärer Aufenthalt in einer Tierklinik bezahlt?
  • Welche Altersbeschränkungen gibt es für den Hund?
  • Wie hoch ist die Selbstbeteiligung?
  • Beteiligt sich die Versicherung an den Kosten für Kastration?
  • Wie lange muss man nach Abschluss warten, bevor der Versicherungsschutz greift?
  • Welche Vergünstigungen/Rabatte gibt es, wenn man die Versicherung ein ganzes Jahr lang nicht nutzt?

Ein Tipp von Halter zu Halter

Hunde haben mich mein ganzes Leben lang begleitet. Ich wurde in eine Familie mit Hund geboren, habe immer Hunde gehabt und arbeite seit mehr als 20 Jahren beruflich als Betreuer, Trainer und Erziehungsberater für Menschen mit Hund und bin im Hunde- bzw. Tierschutz aktiv.

Derzeit habe ich zwei Hunde, einen Mischling und einen Deutschen Schäferhund, die beide regelmäßig medizinisch versorgt werden müssen. Während mein kleiner Mischling (ein ehemaliger Straßenhund) mit einer Unterfunktion seiner Schilddrüse zu kämpfen hat, plagen den acht Monate alten Rasse-Youngster Hautprobleme.

Sparen statt versichern

Ich persönlich habe keine Krankenversicherung für keinen meiner Hunde und werde das in absehbarer Zeit auch nicht ändern. Inklusive aller Ultraschalluntersuchungen, Laboranalysen, Medikamente und Extra-Leckerlies, um die blöden Pillen runterzuwürgen, zahle ich für beide Hunde zusammen nicht mehr als 250 Euro pro Jahr. Das entspricht in etwa fünf Monatsbeiträgen einer Hundekrankenversicherung – für einen Hund.

Statt meine Hunde zu versichern, habe ich vielmehr ein Sparkonto angelegt, auf das jeden Monat ein bestimmter Betrag wandert und von dem ich im Fall der Fälle notwendige Tierarztkosten begleiche. Davon werden keine Routineuntersuchungen, Impfungen oder Schilddrüsentabletten bezahlt. Das wird mit den monatlichen Lebenshaltungskosten verbunden. Dieses Konto ist ausschließlich für medizinische Dramen gedacht.

120 bis 150 Euro pro Jahr und Hund

Ein gesunder Hund, der außer ein paar Wehwehchen vom Toben keine Verletzungen erleidet, verursacht pro Jahr rund 120 bis 150 Euro an Tierarztkosten. Darin enthalten sind Check-ups, Impfungen, Wurmkuren und sogar das eine oder andere Mittel gegen Durchfall.

Die günstigste Krankenversicherung für Hunde kostet mich mindestens das Dreifache. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass ein junger, gesunder Hund in den ersten zwei Dritteln seines Lebens viel mehr als das braucht, ist meiner Erfahrung nach gering.

Wer bei seinen Spaziergängen die Augen offen hält und die Glasscherben früher sieht als sein Hund sie fühlt, wer im Straßenverkehr von der Flexileine zu einem Werkzeug wechselt, das ihm oder ihr wirkliche Kontrolle über den Hund verleiht und wer seinen Hund so erzieht, dass dieser ohne Erlaubnis wirklich nichts vom Boden frisst, der wird seinen Tierarzt nicht viel öfter als einmal im Jahr sehen – und das für viele Jahre.

Fazit

Während eine OP-Versicherung mit durchschnittlich 20 Euro im Monat noch erschwinglich und durchaus sinnvoll ist, sieht die Hundekrankenversicherung mit Vollschutz für mich eher wie ein nettes Zubrot der Versicherungsgesellschaften aus.

Relativ niedrige Beiträge zahlen nur die Besitzer von jungen und gesunden Hunden, die den Versicherungschutz über viele Jahre hinweg nicht brauchen werden. Wenn es dann wichtig wäre, halten sich die Gesellschaften allerdings vornehm mit der Kostenübernahme zurück.

Wer den monatlichen Beitrag für eine Krankenversicherung für Hunde verdoppelt und auf ein Sparkonto einzahlt, der hat nach acht, neun Jahren ein ordentliches Sümmchen für eventuelle tiermedizinische Großprojekte angespart. Da reicht meiner Erfahrung nach bei einem normalen Hundeleben dicke aus.

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