Eine Hundeleine ist im Prinzip nichts anderes als ein Strick, der am Halsband oder am Brustgeschirr deines Hundes befestigt wird und dir Kontrolle über das Tier gibt. Tatsächlich aber dient die Leine nicht nur dazu, deinen Hund sicher zu führen, sondern stellt gleichzeitig ein Kommunikationsmittel dar, über welches du Signale an den Hund sendest. Daher ist es wichtig, in jeder Situation die richtige Leine zu verwenden.

In diesem Artikel stelle ich die unterschiedlichen Arten von Hundeleinen vor, gehe auf die Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle ein und erkläre, warum sich einige Leinen so gar nicht zur Führung von Hunden eignen.


Hundeleinen sind eine Erfindung des Menschen, ohne die ein Hund sehr gut leben könnte. Ein Hund versucht instinktiv, auf seinen Spaziergängen und Ausflügen so viel Raum wie möglich abzudecken und abzuschnüffeln. Hast du dich je gefragt, warum dein Hund ständig im Zickzack läuft, wenn er die Chance dazu hat? Das tut er, weil er so mehr von seiner Umgebung wahr- und in sich aufnehmen kann als wenn er schnurstracks geradeaus gehen würde.

Da wir unseren Hunden das aber nicht in jeder Situation gestatten können und zu bestimmten Zeiten vom Gesetzgeber sogar dazu gezwungen werden, unsere Hunde an die Leine zu nehmen, gehört eine Hundeleine zur Grundausstattung eines jeden Hundebesitzers und wenn du mich fragst, brauchst du mehr als nur eine Leine. Jede Situation erfordert ihr eigenes Werkzeug.

Wofür brauchen wir eine Hundeleine?

Hundeleinen dienen vor allem der Sicherheit deines Hundes, deiner Mitmenschen und deren Hunden. Die Leine versetzt dich in die Lage, die Richtung und die Geschwindigkeit deines Hundes zu kontrollieren und zu bestimmen, wie weit sich dein Hund von dir wegbewegen kann. Über die Leine kannst du ansagen, wo dein Hund hingehen darf, mit welchen Hunden er in Kontakt treten darf und wie nahe er anderen Menschen kommen darf.

Darüber hinaus sendet die Hundeleine ein klares Signal an die Menschen in deiner Umgebung: alles unter Kontrolle. Das ist vor allem dann wichtig, wenn du Menschen begegnest, die sich in der Nähe von Hunden nicht besonders wohl fühlen oder sogar Angst haben.

Während der sogenannten Brut- und Setzzeit im Frühjahr, wenn viele Tiere ihren Nachwuchs zur Welt bringen, müssen wir unsere Hunde von Gesetzes wegen an der Leine führen um Wilderei an frisch geborenen Wildtieren zu vermeiden, die unseren Hunden schutzlos ausgeliefert wären.

Hundeleinen aus Leder, Nylon, Metall

Hundeleinen sind aus den verschiedensten Materialien hergestellt, von Leder über Nylon bis hin zu Kettenleinen. Wofür du dich entscheidest, ist natürlich dir überlassen, jedoch hat jedes Material so seine Vor- und Nachteile. Schauen wir uns die drei am häufigsten verwendeten Materialien einmal genauer an:

Lederleinen

Lederleinen sehen schön aus, liegen gut in der Hand, sind überaus stabil und können meistens auf verschiedene Längen eingestellt werden. Jedoch fühlen sich sehr „matschig“ an und rutschen leicht durch die Hand, sobald sie nass werden. Damit sie danach nicht trocken und spröde werden, müssen sie regelmäßig mit einem Lederfett gepflegt werden. Diese Leinen lassen sich schlecht reinigen und wiegen zudem deutlich mehr als beispielsweise eine Nylonleine.

Nylonleinen

Nylonleinen sind extrem robust und leicht. Es gibt sie in den verschiedensten Stärken, Längen und Farben. Wird die Nylonleine einmal nass, hängt man sie zum Trocknen auf und das war’s auch schon. Ist die Leine eingesaut, wandert sie problemlos mit in die Waschmaschine und ist sofort wieder einsatzbereit.

Nylonleinen gibt es in zwei Ausführen – flach und rund. Der Nachteil der flachen Version ist, dass die Leine schnell durch die Hand gerutscht ist, wenn sie nass ist. Das runde Modell bietet einen besseren Halt in der Hand. Aus genau diesem Grund habe ich mich vor Jahren für runde Nylonleinen in den Stärken 8mm, 10mm und 12mm entschieden und diese Entscheidung nie bereut.

Kettenleinen

Kettenleinen sind Hundeleinen, die aus einzelnen miteinander verbundenen Kettengliedern bestehen. Diese Leinen bieten gleich mehrere Nachteile, weswegen ich die Dinger nicht mal mit einer Kneifzange anfassen würde.

Zum einen eignen sich Kettenleinen aufgrund ihrer geringen Stärke nicht für große Hunde. Ein kraftvoller Hund, der über ein entsprechendes Körpergewicht verfügt, reißt diese Leine im Handumdrehen in Stücke. Zum anderen rutscht sie leicht durch die Hand, was im schlimmsten Fall zu Abschürfungen und Verbrennungen führen kann. Darüber hinaus ist die Länge dieser Leinen in der Regel nicht verstellbar.

Fotos von Hundeleinen
Meine Werkzeugkiste ist gut bestückt mit verschiedenen Hundeleinen, Halsbändern, Brustgeschirren, Futterbeuteln etc.

Welche Arten von Hundeleinen gibt es?

Mal abgesehen von den ganzen Spezialleinen für Jagdhunde, Spür- und Fährtenhunde gibt es fünf verschiedene Leinentypen, von denen vier zum Führen von Hunden geeignet sind.

Führleine

Die Führleine gehört zur absoluten Grundausstattung. Sie ist dein täglicher Begleiter auf euren Spaziergängen. Sie dient, wie der Name schon sagt, dem Führen des Hundes.

Führleinen gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Manche dieser Leinen haben einen Karabiner an einem Ende, der am Halsband oder am Brustgeschirr des Hundes befestigt wird, und eine Schlaufe am anderen Ende der Leine, die zum Aufhängen dient (dazu später mehr). Andere Führleinen verfügen über jeweils einen Karabiner an jedem Ende. Zusätzlich sind mehrere Metallringe an der Leine angebracht. So kann man die Führleine, die in der Regel zwei Meter lang sind, verkürzen.

foto von hundeleinen
Eine kleine Auswahl meiner Führleinen. Einige sind in der Länge verstellbar und kommen mit zwei Karabinern und Metallringen, andere haben nur einen Karabiner und lassen sich in der Länge nicht einstellen.

Kurzführer

Kurzführer sind sehr kurze Leinen mit einer Handschlaufe und einem Karabiner. In der Regel sind Kurzläufer kürzer als einen Meter. Sie eignen sich nicht für die täglichen Spaziergänge, da der Hund nur bei Fuß gehen kann. Kurzführer sind für den kurzzeitigen Einsatz gedacht, beispielsweise für das Stück vom Auto in die Tierarztpraxis oder auch beim Marsch durch die belebte Fußgängerzone.

Ein Vorteil des Kurzführers ist, dass du ihn am Halsband lassen kannst, während dein Hund die nähere Umgebung erforscht. Die Leine ist so kurz, dass er nicht sich nicht darin verheddern kann. Beim Spielen mit anderen Hunden oder bei Ausflügen ins Unterholz sollte allerdings auch der Kurzführer entfernt werden, um Verletzungen zu vermeiden und zu verhindern, dass der Hund im Gebüsch mit dem Kurzführer hängenbleibt.

Die Größe des Hundes spielt bei der Entscheidung für oder gegen den Kurzführer eine entscheidende Rolle. Wenn du dich vorbeugen musst, um deinen Hund beim Gehen nicht zu würgen, dann ist dein Hund zu klein.

Ich habe keinen Kurzführer in meiner Werkzeugkiste, da ich in meinem Alltag vor allem mit Retrieverleinen arbeite, die ich so kurz halten kann, wie die jeweilige Situation es erfordert.

Der Kurzführer besteht aus einer Handschlaufe und einem Karabiner und ist nur für größere Hunde geeignet.

Retrieverleine

Die Retrieverleine wird auch Moxonleine, Schlupfleine oder im Englischen slip leash genannt. Sie kommt ganz ohne Karabiner daher, da das Ende der Leine durch einen Ring gezogen wird und eine Schlaufe bildet, die dem Hund um den Hals gelegt wird.

Retrieverleinen gibt es in unterschiedlichen Längen und Stärken. Achte darauf, dass an der Schlaufe ein Stopper eingearbeitet ist, der das vollständige Zusammenziehen der Schlaufe verhindert. So kann der Hund auch bei stärkerem Zug nicht gewürgt werden. Ein zweiter Stopper, der auf der Leine sitzt, verhindert, dass sich die Schlaufe zu weit öffnet und dein Hund sich herauswinden kann.

Die Retrieverleine hat mehrere Vorteile. So muss ich bei ängstlichen Hunden (ich arbeite häufig mit Hunden aus dem Tierschutz) nicht erst lange am Halsband herumfummeln, sondern kann die Schlaufe schön groß aufziehen und sie dem Hund von hinten über den Kopf legen, bevor er überhaupt merkt, was Sache ist. Zum anderen reagieren die meisten Hunde äußerst sensibel auf Signale, die ich über diese Art von Hundeleine sende, da ich sie höher am Kopf ansetze als ein gewöhnliches Halsband. So kann ich selbst riesige Hunde mit zwei Fingern führen und korrigieren.

Nicht für kleine Rassen

Die Retrieverleine eignet sich nicht für Hunde kleiner Rassen. Hier drohen Verletzungen des Kehlkopfes und der Luftröhre, wenn zu starker Zug auf die Leine ausgeübt wird.

Wenn du dich für die Retrieverleine interessierst, würde ich dir empfehlen, einen professionellen Trainer zu kontaktieren und dir den richtigen Sitz der Leine und den Umgang damit einmal zeigen zu lassen. In den richtigen Händen ist die Retrieverleine ein unschlagbares Werkzeug, das eine sehr feine Kommunikation mit dem Hund erlaubt.

In den falschen Händen allerdings ist sie eine Waffe, die einen Hund verletzen oder gar töten kann.

Foto von sogenannten Retrieverleinen
Ich habe Retrieverleinen in verschiedenen Längen und Stärken. Wichtig ist, dass sie einen Stopper haben, der das endlose Zuziehen der Schlinge und somit ein Würgen des Hundes verhindert.

Schleppleine

Eine Schleppleine ist eine Hundeleine, die zwischen fünf und zwanzig Meter lang ist. Der Hund schleppt – oder zieht – die Leine hinter sich her, weswegen sie im Idealfall keine Schlaufe am Ende hat, um nirgendwo hängenzubleiben.

Schleppleinen werden von Nicht-Jägern vor allem im Training mit Hunden eingesetzt, bei denen der Rückruf noch nicht richtig klappt oder die aus verschiedenen Gründen nicht vollständig abgeleint werden können, beispielsweise bei Angsthunden, die panisch reagieren, aufgrund eines starken Jagdtriebs oder aus gesundheitlichen Gründen.

Eine Schleppleine sollte nicht mit einem Halsband, sondern nur mit einem Brustgeschirr verwendet werden. Im Zweifelsfall nämlich hat der Hund 20 Meter Anlauf, wenn er auf einmal nach vorne prescht. Wenn du dann auf die Leine trittst, könntest du deinen Hund verletzen, wenn die Leine am Hals befestigt wäre.

Eine Schleppleine ist zwischen fünf und zwanzig Meter lang und wird vor allem im Training des Rückrufs eingesetzt oder wenn der Hund aus welchen Gründen auch immer nicht abgeleint werden kann.

Rollleine

Es hat seinen Grund, warum ich die Rollleine als letztes vorstelle: Sie ist das Allerletzte! Die Rollleine erlaubt es dem Hund, sich bis zu neun Meter von seinem Besitzer zu entfernen. Das wäre im Prinzip gar nicht so schlimm, schließlich ist eine Schleppleine mehr als doppelt so lang. Allerdings wird eine Schleppleine in aller Regel nicht in der Innenstadt, an stark befahrenen Straßen oder in der Nähe von anderen angeleinten Hunden eingesetzt. Die Rollleine schon.

Da darf der Fiffi in einem Umkreis von neun Metern tun und lassen, was er will, inklusive auf die stark befahrene Straße rennen. Wer sollte ihn auch daran hindern? Bis du die neun Meter Leine wieder auf die Rolle gespult hast, hat sich dein Hund bereits in die Kühlerfigur eines Honda Accord verwandelt.

Technisches Versagen

Zwar hat die Rollleine zwei Knöpfe, von denen einer die Leine auf einer gewünschten Länge arretiert und der andere eine Feder freigibt, wodurch die Leine wieder auf die Rolle gespult wird. Das Dumme daran ist, dass der Stopper bei diesen Leinen gerne versagt und die Feder ausleiert, wodurch es ewig dauert, bis die Schnur wieder aufgespult ist.

Außerdem führen Rollleinen immer wieder zu Verletzungen. Wenn der Hund losrennt und die dünne Schnur durch die Hand gezogen wird oder – noch schlimmer – sich um einen Finger wickelt, gibt es eine satte Verbrennung oder gar eine Amputation.

Mangelnde Kontrolle

Davon abgesehen gibt eine Rollleine dem Hund zu viel Entscheidungsfreiheit. Wenn ich meinen Hund an die Leine nehme, dann hat das seinen Grund. Entweder geht es darum, ihn vor Gefahren zu bewahren, ihn davon abzuhalten, Schaden anzurichten oder andere in Gefahr zu bringen. Wenn mein Hund dann aber neun Meter vor mir rumturnt, habe ich im Fall der Fälle keine Möglichkeit, schnell genug und konsequent genug einzugreifen.

Natürlich lernt der Hund an der Rollleine auch keine Leinenführigkeit. Er muss permanent gegen einen Zug anarbeiten, da die Feder im Griffstück stets bestrebt ist, die Leine wieder auf die Rolle zu bekommen. Ein entspanntes Spazierengehen an der Leine ist mit der Rollleine so gut wie unmöglich.

Foto eines Hundes an einer Rollleine
Die Rollleine ist nicht geeignet, einen kontrollierten Spaziergang an der Leine durchzuführen.

Die Sache mit der Schlaufe

Die Schlaufe einer Hundeleine ist meiner Meinung nach dazu gedacht, die Leine aufzuhängen. Die Leine sollte während des Spaziergangs locker in deiner Hand liegen, während die Schlaufe lose herunterhängt. Das ermöglicht dem Hund zum einen eine gewisse Bewegungsfreiheit nach hinten und zur Seite (meine Hunde dürfen nicht vor mir laufen), zum anderen erlaubt es dir, sehr feine Signale an deinen Hund zu senden.

Wenn du dich an der Schlaufe deiner Leine festhalten musst, dann läuft in der Beziehung mit deinem Hund etwas schief und du solltest professionelle Hilfe suchen.

Fazit

Wer seinen Hund zu jeder Zeit optimal führen möchte, braucht die richtigen Werkzeuge. Genauso wie niemand ein Brett mit einem Hammer kürzen würde, sollte man mit einer langen Schleppleine in der Innenstadt auftauchen oder den Hund am Kurzführer durch die menschenleere Heide führen.

Hundeführer brauchen mehr als nur eine Leine, sei es nun aus Leder, Nylon oder Naturfasern. Die Farbe spielt dabei genauso wenig eine Rolle wie der Typ der Leine. Das ist einzig und allein deinem Gefühl und deinem Geschmack überlassen. Probier einfach mal verschiedene Leinen im Laden aus und finde deinen Favoriten. Alles geht – solange es keine Rollleine ist.

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