Meerwasser oder Süßwasser? Wer in die Welt der Aquarien und Zierfische einsteigen will, sieht sich bereits ganz am Anfang seines Weges mit einer elementaren Frage konfrontiert. Vor allem Anfänger antworten oft (vorschnell) mit „Süßwasser“. Fragt man sie dann allerdings, was sie denn schöner finden würden, hört man häufig „Meerwasser“.

Die Entscheidung gegen das Salz- oder Meerwasseraquarium wird in vielen Fällen aus der Annahme heraus getroffen, dass ein Süßwasseraquarium viel billiger sei, nicht so viel Arbeit mache und außerdem weniger Platz verbrauche als die salzige Variante.

In diesem Artikel beantworten wir die Frage, ob das überhaupt stimmt und vergleichen Süß- und Meerwasseraquarien in den Punkten Kosten, Aufwand und Platzbedarf.


Betrachtet man die Frage Süßwasser oder Salzwasser von einem ethischen Standpunkt aus, unterscheiden sich die beiden Aquarienarten nicht voneinander. Vielmehr sind sie in ihrem Zweck identisch. Im Idealfall stellen sie einen möglichst naturgetreuen Ausschnitt der Unterwasserwelt dar, in der Tiere und Pflanzen einen artgerechten Lebensraum finden.

Und auch sonst sind die Unterschiede zwischen Salz- und Süßwasseraquarien gar nicht so groß. Bei beiden handelt es sich um Becken aus Acryl oder Glas, sowohl das Meerwasser- als auch das Süßwasseraquarium kommen nicht ohne Technik aus und beide Aquarien müssen mehr oder weniger aufwändig gewartet werden.

Was aber – außer dem Salzgehalt des Wassers – sind denn dann die Unterschiede zwischen einem Meerwasseraquarium und einem Süßwasseraquarium? Ich habe beide Arten von Aquarien betrieben und kann sie daher direkt miteinander vergleichen. Los geht’s!

Meerwasser oder Süßwasser – Platzbedarf

Meerwasser – think big!

Ein Meerwasseraquarium ist nur dann sinnvoll, wenn es eine bestimmte Größe nicht unterschreitet. Das Becken sollte ein Fassungsvermögen von mindestens 300 Litern haben, wobei nach oben hin die Grenzen weit offen sind. Ein größeres Becken bietet den Fischen nicht nur einen größeren Lebensraum. Die größere Wassermenge kompensiert auch Fehler in der Pflege deutlich besser, sodass nicht jeder Messfehler gleich das Ende der Fische und Korallen bedeutet.

Ein Meerwasseraquarium kann (muss aber nicht zwingend) mit deutlich mehr Technik betrieben werden als ein Süßwasseraquarium. Diese Technik muss entweder im Becken verstaut werden oder erhält ein eigenes Technikbecken, das sich in aller Regel unter dem Hauptbecken befindet. Damit das Becken stabil steht, bedarf es eines robusten Untergestells, das – genau wie die Verkleidung, hinter der das Technikbecken verschwindet – wasserabweisend sein muss.

Wenn man über Platzbedarf spricht, dann darf man auch das Gewicht der gesamten Anlage nicht aus den Augen verlieren. Sobald man mit seinem Aquarium das Erdgeschoss verlässt und sich in höhere Gefilde begibt, muss man die Tragfähigkeit des Bodens kennen. Ein Aquarium mit einem Fassungsvermögen von 300 Litern, das mit einem Technikbecken von 120 Litern, einem massiven Untergestell, Sand, Steinen und jede Menge Technik daherkommt, wiegt ganz schnell 700 Kilogramm (Ein Tipp von jemandem, der dies nicht bedacht hat: Mach dir vor dem Aufbau und Befüllen Gedanken, wo genau du die Anlage hinstellen möchtest. Ist das Becken erst einmal mit Sand, Steinen und Wasser gefüllt, bewegst du das Ding keinen Millimeter mehr).

Süßwasser – kleiner heißt nicht mini!

In der Süßwasseraquaristik kann es hinsichtlich des Platzbedarfs ein wenig bescheidener zugehen, muss es aber natürlich nicht. Wer jetzt allerdings denkt „Klar, ein Goldfischglas nimmt ja nicht viel Platz ein“, den verweise ich mit Nachdruck noch einmal auf den Abschnitt „artgerechte Haltung“. Zwar muss ein Süßwasseraquarium nicht so groß sein wie ein ein Meerwasseraquarium, das Mindestvolumen von 100 Litern sollte aber dennoch nicht unterschritten werden.

Die Technik in einem Süßwasseraquarium ist überschaubar. Während man in einem Meerwasseraquarium auf Eiweißabschäumer, Strömungspumpen, Dosierautomaten und vieles mehr nicht verzichten kann, reicht in einem durchschnittlichen Süßwasserbecken ein Filter und eine Heizung. Beides kann relativ versteckt im Becken installiert werden, sodass man keinen riesigen Unterschrank benötigt.

Das Gewicht eines 100-Liter-Beckens, gefüllt mit Sand, Pflanzen und Steinen, beläuft sich auf nicht mehr als 200 Kilogramm. Das ist ein Gewicht, das jeder handelsübliche Fußboden aushalten können muss. Das ist allerdings auch ein Gewicht, das man nicht mal eben so bewegt. Mach dir also vorher einen Kopf, wo das Aquarium stehen soll.

Meerwasser oder Süßwasser – Kosten

Meerwasser – Billig ist anders…

Wer sich ein Stück Meer ins Wohnzimmer holen möchte, wird verhältnismäßig tief in die Tasche greifen müssen. Als Faustregel rechnet man mit 5 bis 10 Euro pro Liter Beckenvolumen. Das große Becken mit der intensiven Beleuchtung ist dabei noch der kleinste Kostenfaktor. Auch die Technik schlägt noch nicht nennenswert zu Buche, wenn man sich mit dem Minimum zufrieden gibt: Eiweißabschäumer, Heizung und Strömungspumpen sind ein absolutes Muss, in einigen Regionen kann – je nach Wasserqualität – auch noch eine Umkehr-Osmoseanlage als Vorfilter fällig werden.

Teure Steine

Da wir gerade von Filtern sprechen – jetzt wird‘s richtig teuer. Der wahre Filter in einem Meerwasseraquarium ist nämlich keine technische Erfindung, sondern sogenanntes Lebendgestein. Dabei handelt es sich im Grunde genommen aber gar nicht um Steine. Vielmehr handelt es sich um eine steinähnliche Kalksubstanz, die aus den Skeletten abgestorbener Steinkorallen und den Schalen von Muscheln und anderen Tieren besteht und durch Schwämme und Kalkalgen miteinander verbunden werden. Jeder Quadratzentimer dieser Steine ist mit Mikroorganismen besetzt, die sich um die Filterung des Wassers kümmern.

Da Lebendgestein aus dem Meer stammt und mühsam an die Oberfläche geschafft sowie fachgerecht gelagert werden muss, haben die dunklen Brocken ihren Preis. Während ein Kilo Naturgestein aus der Karibik noch für 13 Euro das Kilo über die Theke geht, muss man für dasselbe Produkt made in Australia schon 26 Euro auf den Tisch legen. Für andere Lebendgesteine aus der Premiumklasse werden schnell Preise jenseits der 50-Euro-Grenze aufgerufen – pro Kilogramm.

Als Richtlinie gilt: 10 Kilogramm Lebendgestein pro 100 Liter Wasser. Bei unserem 300-Liter-Musterbecken werden also 30 Kilogramm life rock fällig, was im günstigsten Falle mit knapp 400 Euro zu Buche schlägt. Sei aber unbesorgt: So billig wird es nicht. Die richtig schicken Steine, die Hingucker, für die man sich das Becken überhaupt erst ins Wohnzimmer stellt, sind deutlich teurer. Außerdem kommt ja noch kiloweise Spezialsalz und Sand dazu.

Korallen und Fische

Korallen und Fische können natürlich nach und nach besetzt werden und fallen am Anfang nicht so stark ins Gewicht. Preislich liegen die meisten Korallen weit über Pflanzen und können schnell in den dreistelligen Bereich gehen. Es gibt allerdings auch „Einsteigermodelle“, die nicht viel mehr als eine Mutterpflanze kosten. Ein Schwarm Riffbarsche ist genauso teuer wie ein Schwarm Neonfische.

Süßwasser – Die Unterwasserwelt als Sparpaket

Ein Süßwasseraquarium ist für deutlich weniger Geld zu haben, besonders dann, wenn man zu einem der vielen Starterpacks greift, die es auf dem Markt gibt (Bitte nimm Abstand von Miniaquarien mit einem Fassungsvermögen von deutlich weniger als 100 Litern. Du tust deinen Fischen und Pflanzen keinen Gefallen damit). Das Becken kann deutlich kleiner sein, Pflanzen brauchen nicht so intensives Licht wie Korallen und auf Strömungspumpen oder Eiweißabschäumer kann man im Süßwasserbereich ganz verzichten.

Auch das Zubehör wie Sand, Steine, Pflanzen und nicht zuletzt die Fische sind deutlich günstiger als im Salzwasserbereich. Zwar kann man für besondere Arten und seltene Raritäten immer noch ein Heidengeld hinlegen, muss man aber nicht. Für rund 100 Euro bekommt man im lokalen Fachhandel genug Pflanzen und Steine, um sein 100-Liter-Becken in eine schöne Unterwasserwelt zu verwandeln.

Unterhalt

Im Unterhalt verursacht das Meeresaquarium höhere Kosten, was vor allem dem höheren Energiebedarf geschuldet ist. Korallen brauchen starke Lampen, die zwölf Stunden am Tag brennen müssen, um die Lebewesen mit der nötigen Energie zu versorgen. Heizung, Eiweißabschäumer, Strömungs- und Dosierpumpen verbrauchen zusätzlich Energie.

Ein Süßwasseraquarium kommt mit einem deutlich geringeren Stromverbrauch aus. Die Lampen sind in der Regel energiesparende Leuchtstoffröhren, die Becken sind kleiner, wodurch weniger Wasser erhitzt werden muss und alles in allem kommt in einem Süßwasseraquarium nicht so viel Technik zum Einsatz wie bei den Salzwasserfreunden.

Meerwasser oder Süßwasser – Aufwand

Meerwasser

Ein Meerwasseraquarium muss eingefahren werden. Das bedeutet, dass sich genügend Bakterien und Mikroorganismen im Wasser befinden, um die Reinigung beziehungsweise die Umwandlung von Ammonium in Nitrit und in Nitrat zu übernehmen. Bis ein Becken eingefahren ist, dauert es einige Wochen und man muss täglich immer wieder mal Hand anlegen. Ist das Becken dann aber eingefahren und sind auch schon die ersten Fische eingezogen, hält sich der tägliche Arbeitsaufwand in Grenzen.

Wer seine Fische füttert, den Eiweißabschäumer kontrolliert, vielleicht noch die Scheiben putzt, die Wasserwerte misst und einen generellen Technikcheck absolviert, ist bei einem 300-Liter-Becken nicht mehr als zehn Minuten pro Tag beschäftigt. Wer darauf gar keine Lust hat, kann auch alles an die Technik übergeben und den gesamten Ablauf automatisieren.

Jede Woche müssen fünf Prozent des Wassers im Becken erneuert werden. Wie lange das dauert, hängt natürlich von der Größe des Beckens ab. Einmal im Monat sollte man zusätzlich zehn Prozent des Wassers austauschen. Das neue Wasser muss zuvor mit Salz angereichert und vorbereitet werden. Für die Wasserwechsel und die anfallenden Vorbereitungen kann man mit gut einer Stunde rechnen.

Spezielle Korallen und besondere Fische benötigen mehr Pflege als andere. Oft muss man die Lebewesen erst vorsichtig an den neuen Lebensraum oder das neue Futter gewöhnen. In einigen Fällen kann es sogar notwendig sein, Fische per Hand zu füttern. Dass das nicht im Vorbeigehen erledigt werden kann, dürfte klar sein.

Süßwasser

Bis auf wenige Maßnahmen, die speziell bei Meerwasseraquarien durchgeführt werden, unterscheidet sich der tägliche und wöchentliche Aufwand bei Süßwasseraquarien nicht vom Aufwand, der für Meerwasseraquarien betrieben werden muss. Wöchentliche kleine und zweimonatliche größere Wasserwechsel stehen selbst beim kleinsten Becken an, die Scheiben müssen auch bei Süßwasseraquarien gereinigt werden (je nach Standort sogar erheblich öfter) und Fische sowie Pflanzen müssen auf Wohlbefinden kontrolliert werden. Was in der Süßwasseraquaristik wegfällt, ist das ganze Gemesse und Angepasse von Wasserwerten. Das allerdings senkt den zeitlichen Aufwand kaum, der bei beiden Arten von Becken im Prinzip gleich ist, wenn man von der Grundpflege spricht.

Fazit

Weder die Süßwasser- noch die Meerwasseraquaristik gibt es umsonst und die Arbeiten erledigen sich auch nicht von alleine. Bei beiden Arten von Aquarien muss man Mindeststandards erfüllen, die bei Meerwasseraquarien allerdings um einiges höher liegen als bei Süßwasseraquarien. Zudem sind die Anschaffungs- und die monatlichen Unterhaltskosten für ein Meerwasseraquarium teilweise erheblich höher und es kann aufgrund der Größe und des Gewichts einer Meerwasseranlage schnell zu Platzproblemen kommen. Lediglich in der täglichen Pflege macht es keinen großen Unterschied, ob man vorher ein paar Kilo Salz im Wasser aufgelöst hat oder nicht.

Das alles sind allerdings keine Argumente gegen ein Meerwasseraquarium oder für ein Süßwasseraquarium. Das sind lediglich ein paar Informationen, die dir die Entscheidung zwischen Süßwasser und Meerwasser ein wenig leichter machen sollen. Ihren Reiz haben beide Arten von Becken und am Ende sollte dein persönlicher Geschmack entscheiden, welche Art von Unterwasserwelt du für dein Wohnzimmer gestalten möchtest.

Schreibe einen Kommentar

*

Diese Fehlermeldung ist nur für WordPress-Administratoren sichtbar

Fehler: Kein verbundenes Konto.

Bitte geh zur Instagram-Feed-Einstellungsseite, um ein Konto zu verbinden.

RSS
Follow by Email